Print Friendly, PDF & Email

Die drei Gänseblümchen

– Kapitel 1 –
– Das Baumhaus –

Laura betritt durch die Terrassentüre den Garten. Wackelig balanciert das fünfjährige Mädchen ein Tablett mit einem halbvollen Saftkrug und 3 bunten Plastikbechern auf ihren Händen.
„Ich habe etwas zum Trinken da. Kommt ihr?“, ruft sie laut durch den Garten ihrer Eltern.
Zwei Mädchen, Emilie und Sandra, die im Schatten einer großen, kräftigen und uralten Eiche sitzen, schauen auf. „Wir kommen und helfen dir“, antwortet Emilie, die kleine Schwester von Laura, die ein Jahr jünger ist.
Auch Sandra, die beste Freundin von Laura und Emilie, springt sofort auf und eilte auf die Terrasse zu.

„Oh lecker“, jubelt Emilie, „Orangensaft mag ich am Liebsten.“ Eifrig schiebt sie sich das goldblonde, lange Haar aus dem Gesicht und trinkt ihren Becher in großen Schlucken leer.
Laura und Sandra tun es ihr gleich und stillen ihren Durst.

Laura platziert das Tablett am Rand der Terrasse und die Mädchen gehen wieder zurück zu ihrem Lieblingsbaum.
„Hier ist es so schön, ich liebe diesen alten Baum“, murmelt Sandra, während sie sich gemütlich an den großen, dicken Stamm lehnt.
„Ja“, stimmt Laura ihr zu und nickt. „Ich sitze hier so gerne beim Malen.“ Sie streichelt liebevoll die raue Rinde des Baumes und setzt sich neben Sandra.
„Er wäre toll, um ein Baumhaus darauf zu bauen.“, plappert Emilie los. „So eins gibt es nämlich in meinem Lieblings-Buch. Und der Baum, der sieht fast genauso aus.“ Emilie hält kurz inne, denkt nach und plappert weiter. „Ich will auch so ein Baumhaus. Laura, meinst du wir können so ein Baumhaus haben?“
Laura schaut ihre kleine Schwester an, denkt kurz nach, schaut zu Sandra und wieder zurück zu Emilie. „Ich finde die Idee super.“ Ein Strahlen geht über ihr Gesicht. „Wir können doch heute Abend Papa fragen.“
Emilie nickt begeistert. „Jaaa, und dann werden wir es gemeinsam mit Papa bauen, genauso wie in meinem Lieblings-Buch mit den vielen Bildern drin.“
Laura nickt und sieht Sandra an. „Was denkst du? Das ist doch eine super Idee. Dann haben wir hier ein eigenes kleines Baumhaus, und wir bestimmen wer hinein darf und wer nicht.“
Sandra nickt abwesend und streicht sich das braune lange Haar aus dem Gesicht. Sie hätte zuhause auch gerne einen Garten, und ein Baumhaus, und einen Papa, der es mit ihr baut. Sie ist froh, dass sie so oft bei Laura und Emilie sein kann.
„Sandra?“, Laura schaut ihre Freundin fragend an.
Sandra schaut auf, lächelt und nickt. „Ich finde die Idee auch klasse. Ich helfe gerne beim Bauen, wenn ich darf.“
„Natürlich“, jubelt Emilie und Laura antwortet: „Na klar, ohne deine Hilfe schaffen wir das nicht. Es ist doch dann unser gemeinsames Baumhaus.“

Die Mädchen sitzen eine Weile in der Wiese, an den Baum gelehnt, und malen sich aus, wie das Baumhaus aussehen soll. Wild plappern sie durcheinander.
„Groß muss es sein.“
„Und ganz weit oben muss es sein.“
„Mit einer Leiter, oder nein, besser ist eine Strickleiter. Die können wir dann nach oben ziehen, damit keiner zu uns hinauf kann.“
„Nein, lieber eine richtige Leiter, sonst wird es so schwer dort etwas hinauf zu tragen.“
„Nein, die Strickleiter ist besser. Wir binden einen Korb an ein Seil und ziehen alles hinauf, was wir oben brauchen.“
„Das ist ja eine tolle Idee.“
„Ich will ein Fenster, nein besser zwei …“
„Ja richtig, Fenster, und schöne Vorhänge dran.“
„Wir brauchen Polster und Kissen.“
„Wofür?“
„Zum drauf sitzen oder drauf liegen du Dummerchen.“
„Ach so.“
„Tisch und Stühle brauchen wir.“

So geht es noch eine lange Zeit dahin. Die Mädchen plappern und plappern, bis es langsam dunkel wird.
„Oh, ich muss Heim“, ruft Sandra plötzlich und springt auf.
„Es ist ja schon fast dunkel.“ Laura steht auch auf und sieht sich überrascht um. Die Planung für das Baumhaus hat die Mädchen so sehr beschäftigt, dass sie die Zeit vergessen haben.
„Oh, komm gut Heim Sandra. Wir sehen uns morgen im Kindergarten ja?“ Emilie rappelt sich auch auf und trottet den beiden Mädchen hinterher. Sie verabschieden sich.
„Fragt ihr euren Papa wegen dem Baumhaus?“, fragt Sandra noch, bevor sie sich auf den Weg nach Hause macht.
„Ja klar, natürlich fragen wir ihn. Er wird bestimmt nicht nein sagen.“
Sandra nickt, winkt noch einmal zum Abschied, und geht auf das Wohnhaus am Ende der Straße zu. Dort lebt sie mit ihrer Mama in einer kleinen Wohnung unter dem Dach.
Pflichtbewusst schauen Laura und Emilie ihr noch hinterher, bis sie im Haus verschwindet. Diese Abmachung haben die Mädchen gemeinsam mit Sandras Mama getroffen, weil diese nicht wollte, dass Sandra so ganz ohne Aufsicht nach Hause geht.
Die drei Mädchen fühlen sich damit so unglaublich verantwortungsbewusst und erwachsen. Dass Sandras Mama beim Kochen in der Küche am Fenster steht und aufpasst, dass ihre Tochter heil nach Hause kommt, das wissen die Mädchen nicht.

Laura und Emilie waschen sich die Hände und setzen sich an den Esstisch.
„Ist Sandra gut nach Hause gekommen?“, erkundigt sich die Mama der Mädchen, während sie volle Teller auf den Tisch stellt.
„Ja Mama, wir haben aufgepasst und geschaut, bis sie im Haus war.“ Laura nickt eifrig und greift nach der Gabel.
„Ja Mama, wir haben ganz gut aufgepasst“, stimmt Emilie zu und strahlt ihre Mama an.
„Das macht ihr ganz wunderbar.“ Papa kommt gerade ins Esszimmer. Er hat Emilies Worte gehört. „Ich bin sehr stolz auf euch, weil ihr so gut auf eure Freundin acht gebt.“
„Danke Papa“, antworten die Mädchen im Chor, schauen sich kurz an und nicken sich zu.
„Du Papa“, flötet Laura und schaut ihren Papa ganz besonders lieb an.
Dieser blickt sofort alarmiert auf. Diesen Ton kennt er nur zu gut. Wenn Laura so redet und schaut, dann will sie etwas besonderes. „Ja bitte Laura?“
„Du Papa, weißt du, wir waren vorhin im Garten und haben uns so überlegt … also … wir würden gerne … also …“, stammelt Laura los.
„Wir wollen ein Baumhaus Papa, bitte bitte bitte“, ruft Emilie begeistert dazwischen.
Jetzt war es erst einmal ruhig am Tisch. Mama sieht ihre Mädchen mit großen Augen an, und Papa war ebenso erstaunt.
„Ein Baumhaus?“, fragt er nachdenklich.
„Ja bitte Papa,“ antwortet Laura. „Wir wollen es mit dir bauen. Sandra hilft auch mit.“ Laura und Emilie schauen ihren Papa hoffnungsvoll an.
Dieser ist immer noch sehr überrascht. „Ein Baumhaus?“ Nachdenklich reibt er sich das Kinn. „Ist das denn nicht eher etwas für Jungs?“
„Aber Papa!“, rufen die Mädchen dazwischen. „Ein Baumhaus ist doch nicht nur etwas für Jungs. Hör zu, wir haben uns schon ganz viele Gedanken gemacht.“

Nun erzählen die Mädchen ihren Eltern, was sie sich den ganzen Nachmittag lang überlegt haben. Sie plappern über Vorhänge und Leitern und Polster und Kissen und Tische und Stühle und und und. Das Essen wird langsam kalt, aber weder Papa noch Mama unterbrechen den begeisterten Redeschwall ihrer Töchter.

„So haben wir uns das vorgestellt. Bitte Papa, baue ein Baumhaus mit uns. Wir helfen auch fleißig mit, versprochen.“
Papa und Mama schauen sich nachdenklich an.
Mama fragt: „Kann die alte Eiche das Baumhaus den tragen? Ist das nicht gefährlich?“
Papa schüttelt den Kopf. „Ich muss mir die Eiche noch einmal genau anschauen, aber ich denke schon, dass sie kräftig genug für ein Baumhaus ist.“ Langsam steht er auf.
Auch die Mädchen springen jetzt auf, aber Mama hält die beiden zurück. „Nein, nein, ihr esst jetzt erst einmal auf. Wir schauen uns den Baum an, und dann denken wir über eure Bitte nach. Bleibt bitte sitzen. Das Essen ist ohnehin schon fast kalt.“
Mama und Papa verlassen das Esszimmer und gehen nach draußen in den Garten.

Die Mädchen unterhalten sich derweilen.
„Was denkst du?“, fragt Laura, und schiebt sich eine kalte Kartoffel in den Mund.
„Papa sagt bestimmt ja.“ Emilie war überzeugt, und mampft drauf los.

Die Mädchen sind schon fertig mit Essen, da kommen Papa und Mama wieder ins Esszimmer. Schweigend setzen sie sich, und essen ihre Teller leer. Die Mädchen rutschen auf ihren Stühlen hin und her, und warten auf eine Antwort.
Endlich sind alle Teller leer gegessen. Papa räuspert sich, und er zwinkert Mama zu. „Also, wir haben den Baum überprüft und beschlossen, dass wir das Baumhaus mit euch bauen werden.“
Die Mädchen jubeln sofort los. „Jaaaaa, danke Papa, danke Mama.“ Sie tanzen um den Tisch, und drücken und küssen ihre Eltern. Dann räumen sie den Tisch brav ab.
Jetzt geht es an die Planung.

… Fortsetzung folgt …

2018 – Lisbeth A. Kießling

Ich hoffe, das erste Kapitel hat Dir gefallen.

Kritik, Anregungen, Wünsche? Du darfst mir jederzeit schreiben unter

lisbeth@lieblingsleseecke.com

Alles Liebe
Deine Lisbeth
aus Deiner Lieblings-Lese-Ecke

www.lieblingsleseecke.com
Facebook: Lieblings-Lese-Ecke
Instagram: lieblings_lese_ecke
Pinterest: lieblings_lese_ecke

#lieblingsleseecke #phantasiereise #kinderphantasiewelt #diedreigänseblümchen #kinderbuch #kinderbücher #geschichte #vorlesegeschichte #kindergeschichte #serie #kapitelfürkapitel #lesen #vorlesen #lesespaß #hobbylesen #freizeit #schreiben #schriftstellerin #autorin

2 thoughts on “Die drei Gänseblümchen – Kapitel 1 – Das Baumhaus

  1. Liebe Lissi, voller Freude habe ich das erste Kapitel der drei Gänseblümchen gelesen. Du schreibst so herrlich bildhaft. Nun bin ich sehr neugierig,wie es weiter geht..Dein Schreibstil gefällt mir!Weiter so, du machst es toll!

    1. Ach liebe Wiebke 😘

      vielen lieben Dank für Dein Feedback. Dank Deiner Motivation mache ich gerne weiter, und arbeite voller Eifer an meinem neuen Baby 😊😉

      Liebe Grüße, Lisbeth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.