Erstens kommt es anders ... | Fantasie-Reise

Erstens kommt es anders … – Kapitel 01

21. Februar 2019
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„Wie kann man nur so schlecht gelaunt sein?“, fragte sich Sandra, strich sich das schulterlange blonde Haar aus dem Gesicht und starrte ihrem Chef, dem Anwalt Tim Beckmann, wütend hinterher. Wieder einmal hatte er ihr einen großen Haufen Akten auf den Schreibtisch geknallt.
Und mit den Worten: „Die müssen alle heute noch angeschrieben werden“, hatte er sich wieder aus dem Staub gemacht.
Sandra sah verzweifelt auf die Akten und die Tonbänder. Seufzend setzte sie ihre Kopfhörer auf, und legte ein Tonband in das Abspielgerät. Wieder einmal würde sie eine Menge Überstunden machen müssen.
Das ärgerte sie umso mehr, als sie sah, dass ihr Chef kurze Zeit später sein Büro verließ. „Na toll, der macht sich einen schönen Abend, während ich meinen Abend im Büro verbringen darf.“ Missmutig tippte sie weiter an ihren Briefen.

Sandra war schon sehr früh am Morgen in die Kanzlei gefahren. Wie sie schon am Vorabend erwartet hatte, hatte sie die Briefe nicht mehr fertig tippen können. Dafür wollte sie jetzt am Morgen noch einmal richtig Gas geben.
Sie druckte gerade den letzten Brief aus, als auch schon ihr Chef kam. „Guten Morgen Fräulein Berger. Sind sie denn schon lange hier?“
Sandra nahm sich einen Stapel Briefumschläge, und versuchte ein freundliches Lächeln aufzusetzen, während ihre blauen Augen wütend funkelten. „Guten Morgen Herr Beckmann. Ja, ich bin schon seit zwei Stunden hier. Ich habe die Briefe gestern nicht mehr alle geschafft. Aber jetzt bin ich fertig. Ich muss sie nur noch einkuvertieren, dann bringe ich sie gleich zur Post.“
Tim Beckmann schenkte ihr ein Lächeln und meinte: „Gut gemacht. Ich bin stolz auf sie Fräulein Berger. Bringen sie mir doch auf dem Rückweg ein paar Donuts mit.“ Schon war er wieder in seinem Büro verschwunden.
Sandra, die sich eben noch über sein Kompliment gefreut hatte, war schon wieder kurz vor einer Explosion. Wütend murmelt sie: „Was bildete der Kerl sich eigentlich ein? Kann er nicht einfach nur nett zu mir sein?“
Seufzend steckte Sandra weiter die Briefe in die Kuverts, und klebte Briefmarken darauf. Dann machte sie sich missmutig auf den Weg zur Post.
Nachdem sie die Briefe abgegeben hatte, ging sie in den nächsten Donut-Shop, und besorgte die gewünschten Leckereien für ihren Chef. Sie maulte immer noch vor sich hin, als sie das Gebäude, in dem sich die Kanzlei befand, wieder betrat.

„Sandra, wo ist denn der Kaffee?“
„Der kommt sofort Herr Beckmann.“ Sandra knallte wütend die Donuts auf ihren Schreibtisch, und holte eine Tasse aus dem Schrank. Schnell schenkte sie Kaffee ein, stellte die Tasse auf ein Tablett, legte die Donuts dazu, und ging zu ihrem Chef ins Büro. Er hatte bereits Besuch.
„Oh, guten Morgen Herr Beckmann Senior. Wollen sie auch eine Tasse Kaffee?“ Sandra wusste was sich gehörte, und so ließ sie sich ihre Wut nicht anmerken.
„Aber gerne doch Fräulein Berger. Sie haben den besten Kaffee in ganz Kitzbühel.“ Der alte Herr Beckmann war immer nett und gut gelaunt. Außerdem flirtete er stets im Scherz mit Sandra. Sie fand das amüsant, und ließ dem alten Mann seinen Spaß. Schließlich war er nie geschäftlich hier, sondern nur um seinen Enkel, ihren Chef, zu besuchen.
Sandra brachte auch ihm seine Tasse Kaffee, und machte sich wieder an die Arbeit.

Sandra war gerade dabei das Geschäftskonto abzustimmen, als Herr Beckmann, gefolgt von seinem Großvater aus dem Büro kam. „Auf Wiedersehen Fräulein Berger. Guter Kaffee.
„Sandra lächelte Herrn Beckmann Senior an, der ihr schelmisch zuzwinkerte. Von ihm hatte ihr Chef also seine grünen Augen geerbt. „Vielen Dank Herr Beckmann Senior. Auf Wiedersehen.“
Herr Beckmann Senior hob noch einmal die Hand um Sandra zu winken, dann verließ er die Kanzlei.
Der junge Herr Beckmann lehnte sich an ihren Schreibtisch. „Mein Großvater hat einen Narren an ihnen gefressen.“
Sandra konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Kann schon sein. Vielleicht schmeckt ihm aber auch nur mein Kaffee.“
„Ach was. Er hält sie für ein anständiges, fleißiges und nettes Mädchen. Das wollte ich ihnen nur einmal sagen.“
Sandra errötete. „Danke.“
Doch schon wurde Herr Beckmann wieder geschäftlich. „Haben sie das Geschäftskonto schon abgestimmt? Hat Fräulein Keller schon bezahlt?“
Sandra schüttelte verneinend den Kopf. „Nein Herr Beckmann, tut mir leid. Einen Zahlungseingang von Fräulein Keller konnte ich nicht finden. Aber alles andere ist schon bezahlt.“
Herr Beckmann nickte. „Das dachte ich mir. Seien sie doch bitte so gut, und schreiben sie Fräulein Keller noch einmal an. Bitten sie die junge Dame doch noch einmal mit Nachdruck die noch offene Rechnung zu bezahlen. Danach müssen wir noch einmal den Fall Hall gegen Müller durchgehen.“
Sandra nickte, und machte sich sofort an die Arbeit.

„Haben sie noch einmal einen Termin mit Frau Hall ausgemacht? Ich wollte doch vor der Verhandlung noch einmal mit ihr reden?“
Sandra sah von ihren Papieren hoch, und sah Herrn Beckmann erschrocken an. Doch dann fiel ihr wieder ein, dass sie erst am Vortag mit Frau Hall gesprochen hatte. „Ja, sie wollte Morgen noch einmal vorbeikommen. Ich habe sie für 11 Uhr eingetragen. Steht alles in ihrem Terminkalender.“
Herr Beckmann nickte gedankenverloren. Sandra war sich sicher, dass er ihr nicht einmal zugehört hatte. Grummelnd widmete sie sich wieder den Papieren vor ihr auf dem Tisch. Ihr Magen knurrte leise vor sich hin, denn ihre Mittagspause hatte nur 15 Minuten gedauert, da hatte ihr Chef sie auch schon wieder gebraucht.
„Was ist los Fräulein Berger?“
Sandra erschrak wieder aus ihren Gedanken, weil sie ihren Namen gehört hatte. „Äh, entschuldigen sie bitte Herr Beckmann. Was haben sie eben gesagt?“
„Ich fragte sie, was mit ihnen los ist?“
Sandra sah ihn unschuldig an. „Wieso? Was sollte denn los sein?“
„Sie sitzen seit 5 Minuten am Tisch, starren auf ein und dieselbe Seite, und grummeln wütend vor sich hin. Da frage ich mich natürlich, was mit ihnen los ist.“
Sandra wurde rot. Sie konnte ihm ja schlecht sagen, dass sie ihn boshaft bis gemein fand, und dass sie ihm mindestens dreimal am Tag den Hals umdrehen wollte. „Ach nichts. Ich habe nur Hunger. Bin leider nicht zum Mittagessen gekommen. Das ist alles.“ Sandra konnte leider nicht gut lügen, und jetzt war ihr Chef noch neugieriger als vorher.
„Sie lügen doch nicht etwa ihren Chef an?“, fragte er tadelnd, und hob gespielt böse den Zeigefinger. „Fräulein Berger, wenn sie ein Problem mit mir oder ihrem Job haben, dann sprechen sie mit mir. Wenn sie ein privates Problem haben, dann hat es im Job nichts verloren, außer sie wollen jemanden verklagen.“
Sandra konnte über den kleinen Scherz nicht lachen. Das war ihre Gelegenheit einmal offen mit ihrem Chef zu reden. Aber wie sollte sie das nur anstellen, ohne gleich ihren Job zu verlieren. „Also, ein kleines Problem habe ich schon.“
„Raus mit der Sprache.“ Herr Beckmann sah Sandra fragend an.
„Naja, sie sind in letzter Zeit ein wenig gereizt ist mir aufgefallen“, begann Sandra vorsichtig, aber Herr Beckmann fiel ihr schon ins Wort. „Das weiß ich, und es tut mir leid. Ich habe im Moment ein wenig viel um die Ohren. Sonst noch etwas?“
In diesem Moment platzte Sandra der Kragen. Wie konnte er ihr nur mit einer derart unehrlich gemeinten Entschuldigung kommen. Seine Stimme triefte nur so von Arroganz. „Wenn es nur ihre gereizte Stimmung wäre, dann könnte ich ja damit leben“, brauste Sandra auf, biss sich aber im gleichen Augenblick auf die Lippen. Wie hatte sie sich nur so gehen lassen können? Das würde vermutlich noch ein Nachspiel geben. „Entschuldigen sie bitte. Ich wollte nicht so aufbrausen. Das war nicht nett.“ Sandra sah betroffen zu Boden, als sie sah, dass Herr Beckmann sie blass und erstaunt anstarrte. Er machte gerade den Mund zu einer Erwiderung auf, als es an die Bürotür klopfte.
Eine junge Dame steckte den Kopf zur Tür herein. „Entschuldigen sie Herr Beckmann. Ich konnte ihre Sekretärin nicht finden. Kann ich sie kurz sprechen?“
Herr Beckmann fing sich wieder, lächelte, und bat sie herein. „Aber natürlich, kommen sie herein.“ An Sandra gewandt sagte er nur: „Wir sprechen uns später noch.“
Sandra verließ geknickt das Büro.

Sandra sah erschrocken auf, als die junge Dame das Büro ihres Chefs verließ. Auch Herr Beckmann kam heraus, und begleitete die junge Frau zur Tür. Als sie endlich weg war, drehte er sich bedächtig langsam um, und kam ebenso langsam zu Sandra an den Schreibtisch.
„Mehr als kündigen kann er mir nicht“, dachte Sandra sich nur, und wartete auf das Donnerwetter.
Aber der erwartete ärger blieb aus. Stattdessen stand Herr Beckmann nur nachdenklich vor ihrem Schreibtisch. „Was gibt es denn noch an mir auszusetzen. Mal ganz von meiner Gereiztheit abgesehen?“
Vorhin war Sandra noch ziemlich wütend, aber jetzt brachte sie keinen Ton mehr heraus. Sie schämte sich ein wenig, weil sie sich nicht so gut unter Kontrolle hatte. Jetzt hatte sie den Salat. „Also, eigentlich nichts“, stammelte sie nur, sah ihren Chef aber nicht an.
Aber dieser schüttelte ohnehin den Kopf. „Nein Fräulein Berger. Sie sollen mich doch nicht anlügen. Also, frisch von der Leber. Was bereitet ihnen Schwierigkeiten? Mich würde das wirklich interessieren. Wollen sie keine Überstunden mehr machen? Haben sie keine Lust mehr Briefe zu tippen? Soll ich ihnen nächstes Mal einen Kaffee und Donuts bringen?“ Seine Worte kamen wieder einmal ziemlich ironisch über seine Lippen, und Sandra merkte, wie sie wieder wütend wurde.
„Genau das ist das Problem. Sie sind gemein zu mir, wann sie es nur sein können. Sie lassen mich Überstunden schieben wie sie lustig sind, und haben nicht einmal ein Wort der Anerkennung übrig, ohne den Satz mit einem Auftrag abzuschließen. Ich komme mir richtig schikaniert vor. In welcher Welt leben sie eigentlich? Wussten sie, dass Sklavenarbeit schon vor langer Zeit verboten wurde?“ Diese Worte waren aus Sandras Mund gesprudelt, bevor sie es verhindern konnte. Aber jetzt hatte sie es nun einmal gesagt, jetzt musste sie auch dazu stehen.
Tim Beckmann starrte Sandra mit offenem Mund an. Zum ersten Mal in seinem Leben war er wirklich sprachlos. So standen sie sich gegenüber, und sahen sich eine kleine Ewigkeit stumm an.
Sandra fand als erste die Sprache wieder. „Herr Beckmann?“ In diesem Augenblick klingelte das Telefon. Seufzend griff Sandra nach dem Hörer, und meldete sich. „Kanzlei Dr. Beckmann, Berger am Apparat. Was kann ich für sie tun?“
„Hallo Sandra, ich bin es Anna. Ich wollte dich nur fragen, ob es bei unserer Verabredung heute Abend bleibt.“ In diesem Augenblick verfluchte Sandra ihre Freundin Anna. Sie rief aber auch immer im schlechtesten Augenblick an. „Du, ich ruf dich gleich zurück.“ Mit diesen Worten hatte sie auch schon aufgelegt, und sah wieder auf zu ihrem Chef.
Dieser stand schon nicht mehr vor ihrem Schreibtisch. Schnell sprang sie auf, und eilte in sein Büro. Auch dort war er nicht anzutreffen. „Wo ist er denn wieder hin?“, fragte Sandra laut. Aber die Kanzlei war zu klein, um sich dort irgendwo zu verstecken. „Na toll“, fluchte sie frustriert. „Jetzt habe ich meinen Chef vergrault. Ich kann froh sein, wenn er mich nicht feuert.“
Deprimiert setzte sie sich wieder auf ihren Platz. Zum Glück waren an diesem Nachmittag keine Termine mehr vermerkt. Seufzend griff Sandra nach einem Schriftstück, das noch abgetippt werden musste.

Als sie damit fertig war, mussten noch ein paar Aktenvermerke gemacht werden. Als sie auch damit fertig war, hatte sie im Moment nichts mehr zu tun. Tim Beckmann hatte sich immer noch nicht blicken lassen.
„Mist, ich wollte Anna ja noch zurückrufen.“ Sandra schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. Jetzt machte ihr Chef sie schon so konfus, dass sie die einfachsten Dinge vergaß.

Anna ging sofort ans Telefon, und beklagte sich auch gleich, dass sie einfach so mir nichts dir nichts aus der Leitung geworfen wurde.
Sandra konnte die großen braunen Kulleraugen ihrer Freundin durchs Telefon erahnen, ebenso wie ihre trotzig hervor geschobene Unterlippe. „Es tut mir Leid Anna. Aber ich hatte gerade Ärger mit meinem Chef.“
„Oh oh“, kam es nur vom anderen Ende. „Heißt das, dass du heute keine Zeit mehr hast? Oder heißt das, dass du ab Morgen einen längeren Urlaub antreten wirst?“
Sandra seufzte. „Ich habe keine Ahnung, wie sich das auswirken wird. Herr Beckmann ist verschwunden. Aber ich habe nichts mehr zu tun, und deswegen werde ich jetzt auch gehen. Ich hole dich von der Arbeit ab. Dann können wir noch ein bisschen bummeln gehen, bevor wir etwas essen.“
„Klingt gut, und lass die Ohren nicht hängen. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“
Anna immer, mit ihren guten Ratschlägen. Das ging Sandra mächtig auf die Nerven. Aber ansonsten waren die beiden die allerbesten Freundinnen.
Schnell schaltete Sandra den Anrufbeantworter ein, fuhr ihren Computer runter, und drehte das Licht ab. Dann verließ sie die Kanzlei. Wenn Herr Beckmann schmollen wollte, dann sollte er es doch tun.
„Je mehr Zeit jetzt vergeht, desto besser für mich“, dachte sich Sandra, während sie in ihr Auto einstieg. Schnell machte sie sich auf den Weg zu Anna, die auch gleich Feierabend haben würde.

Fortsetzung folgt …

Weiter geht es nächsten Donnerstag!

Alles Liebe
Deine Lisbeth
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  1. Oh ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung….. genau mein Ding, sehr spannend und auch etwas schmalzig. Ich liebe es…… 🙂

    Liebe Grüße Claudia

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