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Kapitel 13

„Und jetzt hat er dich sogar zum Essen eingeladen?“ Anna konnte nicht glauben was sie da am Telefon hörte. „Was willst du mehr?“, fragte sie auch gleich.
„Ich weiß nicht. Ich bin schon froh, dass ich meinen Job nicht verloren habe. Außerdem bin ich dir sehr dankbar, dass du mich wieder zur Vernunft gebracht hast. Ohne dich wäre ich nie im Leben wieder zurück in die Kanzlei gefahren. Danke.“
Anna schmunzelt. „Keine Ursache. Benennt einfach eure erste Tochter nach mir.“
„Anna“, schimpfte Sandra sofort mit ihrer Freundin, aber sie erntete nur Gelächter dafür. „Hör endlich auf mit deinen Anspielungen. Er ist immer noch mein Chef.“
„Ja“, stimmte Anna ihrer Freundin zu. „Es ist dein Chef, mit dem du Essen gehst. Wohin geht ihr eigentlich?“
„Keine Ahnung Anna. Ich lasse mich überraschen.“
„Was wirst du anziehen?“, löcherte Anna ihre Freundin weiter.
„Das weiß ich auch noch nicht“, gab Sandra zur Antwort, und sah ratlos in ihren Schrank.
„Soll ich zu dir kommen und dir helfen?“, bot Anna sofort ihre Hilfe an.
Sandra war froh, dass Anna das anbot. „Klar, was würde ich nur ohne dich machen?“
„Versauern“, gab Anna auch prompt zur Antwort, und legte schnell auf.

„Meinst du wirklich, dass ich das anziehen soll?“, fragte Sandra skeptisch, und begutachtete den kurzen Rock, den Anna ihr aus dem Schrank gezogen hatte.
„Ja, warum denn nicht?“ Anna grinste spitzbübisch und zuckte verschmitzt mit den Augenbrauen hoch und runter.
Sandra sah immer noch skeptisch auf das wirklich kurze Kleidungsstück. „Ich weiß nicht. Ist das nicht etwas zu gewagt?“ Jetzt erst bemerkte Sandra die Geste ihrer besten Freundin und verdrehte die Augen. „Anna!“, schimpfte sie auch sofort.
Doch diese schüttelte den Kopf. „Nee, warum denn? Der Rock ist wirklich in Ordnung. Ich finde ihn nicht zu kurz. Und er bringt deine tollen Beine so schön zur Geltung.“ Anna nickte bekräftigend, um Sandra zu überzeugen.
„Ja, schon“, meinte diese. „Aber ich will nicht in die Disco, sondern ganz normal zum Essen gehen. Wenn schon ein Rock, dann sollte es schon ein etwas längerer sein. Wie wäre es mit dem da?“ Sandra zog einen knöchellangen schwarzen Rock aus dem Schrank.
Anna rümpfte sofort die Nase. „Das ist aber nicht dein Ernst? Willst du den wirklich anziehen? Dann kannst du dir gleich einen Kartoffelsack überstülpen. Mensch Sandra, du siehst wirklich gut aus. Zeig das doch endlich auch einmal. Du musst dich nicht verstecken.“
„Ja, schon. Aber ich gehe mit meinem Chef Essen. Wer weiß, vielleicht schleppt er mich in irgend so ein piekfeines Restaurant. Dann will ich doch mit so einem Rock nicht auffallen.“
Anna deutete ihrer Freundin einen Vogel. „Erstens kannst du dich zeigen, und zweitens wird dein Chef mächtig stolz sein, wenn er mit einer wirklich hübschen Frau da auftaucht. Ganz egal wohin ihr heute geht. Aber gut, der Rock ist vielleicht doch ein wenig gewagt. Wie wäre es mit dem Kleid hier. Es ist nicht zu kurz, nicht zu lang, und auch nicht zu aufreizend. Aber dennoch kommst du gut zur Geltung. Ist das ein Kompromiss, auf den wir uns einigen können?“
Jetzt lachte Sandra. „Okay okay, ich bin ja schon still.“
Auch Anna musste jetzt lachen, und legte das Kleid vorsichtig aufs Bett. „Komm jetzt und dusche dich. Ich will schließlich noch genug Zeit haben, dir die Haare hoch zu stecken.“
Sandra nickte, und verschwand im Badezimmer.
Eine viertel Stunde später war Sandra frisch geduscht, und kam mit einem Handtuch auf den Haaren wieder ins Schlafzimmer zurück. „Fertig! Hilfst du mir beim Anziehen? Das Kleid hat so einen blöden Reißverschluss am Rücken. Den kann ich alleine nicht zu machen.“
„Okay, jetzt zieh dich endlich an. Tim kommt schon in einer halben Stunde. Das schaffe ich ja nie mit den Haaren und dem Make-up.“

Als Anna dann endlich fertig war, begutachtete Sandra sich kritisch im Spiegel. „Meinst du, dass Tim das gefällt?“
Anna nickte sofort bekräftigend. „Aber sicher doch. Du siehst wirklich hinreißend aus.“
„Findest du?“ Sandra betrachtete sich kritisch im Spiegel, wischte am Makeup herum und zupfte an den Haaren.
„Klar doch. Würde ich dich denn in so einer wichtigen Sache anlügen?“ Anna sah ihre Freundin entrüstet an, und verschränkte gespielt beleidigt die Arme vor der Brust. Dann klopfte sie der zupfenden und ziependen Sandra auf die Finger. „Lass das, du verschmierst ja alles und sorgst noch dafür, dass deine Frisur aussieht wie ein explodierter Staubwedel.“
„Oh, entschuldige“, murmelte Sandra erschrocken und riss ihre Hände herunter. „Nein, natürlich denke ich nicht, dass du mich anlügst. War ja nur so eine Frage. Ich will perfekt ausschauen, das ist alles.“
Anna grinste ihre Freundin wissend an, was Sandra natürlich sehr unangenehm war.
„Jetzt grins nicht so dämlich. Das ist nicht so wie du denkst.“
Annas Grinsen wurde noch breiter. „Woher willst du denn wissen was ich denke?“
Sandra streckte ihrer Freundin schnell die Zunge heraus, und drehte sich um.
Anna brach in schallendes Gelächter aus. „Jetzt sei doch nicht gleich wieder beleidigt. Du weißt ganz genau was ich von euch beiden denke, und daran kannst du auch nichts ändern. Du wirst schon noch sehen Sandra, dass ich am Ende Recht behalten werde.“
Das passte Sandra überhaupt nicht, aber sie konnte nichts mehr erwidern, denn in diesem Moment klingelte es an der Tür. „Das wird Tim sein. Welche Schuhe soll ich denn um Himmels Willen anziehen?“ Sandra kramte hektisch zwischen ihren Schuhen herum.
„Zieh die da drüben an,“ meinte Anna, und deutete auf ein Paar Schuhe in der Ecke. Dann machte sie sich auf den Weg zur Tür, um Tim herein zu holen. Sandra war nämlich so konfus, sie würde ihn draußen warten lassen.

„Hallo Tim, Sandra ist gleich fertig, und ich bin schon so gut wie weg.“ Mit diesen Worten schnappte Anna sich ihre Handtasche, und zog sich ihre Schuhe an. „Ich mach mich jetzt aus dem Staub!“, rief sie zu Sandra ins Schlafzimmer, „bis Morgen dann.“ Ohne Sandras Antwort abzuwarten verließ sie die Wohnung.
Tim war inzwischen hereingetreten, und schloss die Wohnungstür hinter Anna. Geduldig wartete er auf Sandra, die kurze Zeit später schon hektisch in den Flur gestürmt kam.
„Hallo Tim, entschuldige bitte, dass du warten musst. Gleich bin ich fertig.“
Tim nickte lächelnd. „Noch nicht fertig? Du siehst doch schon bezaubernd aus. Was kann man denn da noch verbessern?“
Jetzt musste Sandra lächeln. Tim war charmant wie immer … oder zumindest seit kurzem. „Danke, ich brauche auch nur noch meine Handtasche. Ich kann sie nämlich nicht finden.“ Suchend sah Sandra sich um.
„Meinst du die hier?“ Tim griff hinter sich, und ließ eine kleine Handtasche vor Sandras Gesicht baumeln.
Sandra musste grinsen. „Ja genau, die meine ich.“ Verlegen griff sie danach, und die beiden verließen die Wohnung.
„Wohin gehen wir eigentlich?“ Sandra sah Tim fragend an, nachdem sie sich im Wagen angeschnallt hatte.
Tim sah sie kurz an. „Tja, wohin könnte ich wohl mit so einer bezaubernden Frau fahren? Ich muss ja immer aufpassen, dass mir kein anderer Mann meine reizende Begleiterin abspenstig macht. Da muss ich mir wohl was ganz was Besonderes einfallen lassen.“
Sandra wurde wieder rot, was man aber im Dunklen des Wagens nicht sehen konnte. „Ach was“, meinte sie nur. „Wegen mir musst du dir nicht großartig was einfallen lassen. Gehen wir doch einfach in eine Pizzeria.“
Tim sah Sandra sofort entrüstet an. „Was? Nur in eine Pizzeria? Nein nein, wenn schon, denn schon. Ich führe dich jetzt ganz groß zum Essen aus. Ich weiß auch schon wohin wir gehen werden.“ Tim sah zufrieden aus, und Sandra sah ihn fragend an.
„Wohin willst du denn jetzt fahren?“
„Lass dich überraschen. Wir sind gleich da.“
Jetzt war Sandra natürlich schon gespannt, und innerlich freute sie sich, weil er sich so viel Mühe gab es ihr Recht zu machen. Langsam glaubte sie schon daran, was Anna ihr immer predigte. Vielleicht empfand Tim doch mehr für sie, als sie dachte. Was natürlich wieder die Frage aufwarf, was sie selbst für Tim empfand. Sandra kam allerdings nicht mehr dazu darüber nachzudenken, denn Tim stoppte den Wagen.
Jemand öffnete Sandras Tür, und half ihr beim Aussteigen. Sandra war peinlich berührt, und bedankte sich artig. Jetzt erst wurde ihr bewusst, dass Tim vor dem Romanos, einem 5 Sterne Restaurant, stehen geblieben waren. Sandra hatte es noch nie von innen gesehen, hatte aber schon gehört, dass nur die Reichen und Schönen dort speisten. Sie selbst könnte sich das wahrscheinlich gar nicht leisten. Skeptisch blickte sie zu Tim.
„Willst du wirklich mit mir da hineingehen?“
„Warum denn nicht?“, fragte er überrascht zurück.
„Naja, für so ein schickes Restaurant bin ich doch gar nicht richtig gekleidet.“
Tim sah Sandra entrüstet an. „Aber was redest du denn? Ich bin mir ziemlich sicher, dass alle Männer da drinnen mich um meine wunderschöne und reizende Begleitung beneiden werden.“
„Ja, aber das ist dir doch ganz kurzfristig eingefallen. Ohne Reservierung bekommen wir doch gar keinen Tisch mehr da drinnen.“ Sandras letzte Hoffnung schwand, als Tim den Kopf schüttelte.
„Ich brauche hier nicht reservieren. Ich halte hier viele meiner Geschäftsessen ab. Ich bekomme immer einen Tisch, wenn ich einen will.“
„Aber das ist doch so teuer da drinnen,“ flüsterte Sandra mehr zu sich selbst, aber Tim hatte es doch gehört.
„Mach dir deswegen keine Sorgen. Ich habe gesagt, dass ich dich einlade. Jetzt stell dich nicht so an, und genieße einfach den Abend.“
Sandra nickte, auch wenn ihr ein wenig komisch zu Mute war.

Die beiden traten ein, und Sandra sah sich um. Alles war piekfein, und es machte den Anschein, als wären alle Tische besetzt. Etwas belustigt sah sie zu Tim. Es interessierte sie schon, wie er es bewerkstelligen wollte, noch einen Tisch zu ergattern. Da kam auch schon jemand auf die beiden zu.
„Ahh, Herr Beckmann. Schön sie wieder zu sehen. Einen Tisch für zwei?“
Tim nickte. „Ja, bitte einen Tisch für zwei Albert.“
Sandra schaute die beiden Männer überrascht an. Wo will der Herr jetzt noch einen Tisch herzaubern.
„Folgen sie mir“, sagte Albert nur, und Tim bot Sandra seinen Arm an. Sie hakte sich unter, und folgte Albert.
In einer ruhigen Nische, die Sandra erst gar nicht aufgefallen war, stand ein Tisch.
Albert zündete sofort die Kerze an, und sagte: „Hier habe ich einen Tisch für sie und ihre reizende Begleitung.“
Jetzt erst wurde Sandra bewusst, dass Albert wohl denken musste, dass sie Tims Freundin war. Aber Tim machte keine Anstalten diesen Fehler zu berichtigen.
„Danke Albert.“ Tim rückte Sandra den Stuhl zurecht, und setzte sich dann selbst.
Albert reichte den beiden eine Speisekarte, und fragte gleich: „Haben sie schon einen Wein ins Auge gefasst Herr Beckmann?“
Tim nickte sofort. „Ja, bringen sie uns bitte den Wein, den ich bei unserem letzten Geschäftsessen getrunken habe. Der war ausgezeichnet. Ich kann mir nur leider nie den Namen merken.“
Albert nickte nachsichtig, und verschwand.
Tim lächelte Sandra kurz an, und vertiefte sich in seine Karte.
Sandra sah sich die Karte an, und erschrak über die hohen Preise, die hier verlangt wurde. Aber sie wagte es nicht mehr Tim darauf anzusprechen. Also entschied sie sich für eine Kleinigkeit, und klappte die Karte wieder zu.
„Du hast schon gewählt?“ Tim sah Sandra überrascht an.
„Ja, ich esse den Salat hier. Der hört sich lecker an.“
Tim blickte in die Karte, und lachte. „Also, ich dachte eigentlich, dass wir richtig essen gehen wollten. Schau doch einfach nicht auf die Preise, und bestell dir, wonach dir ist.“
Sandra stellte sich stur. „Aber mir ist jetzt nach Salat.“
Tim lächelte milde. „Weißt du was? Ich bestelle uns einfach ein Menü für zwei Personen, und du bekommst einen Salat dazu.“
Sandra wollte gerade widersprechen, als Albert an den Tisch trat. „Hier ist ihr Wein Herr Beckmann.“ Albert schenkte den beiden ein, und war bereit die Bestellung entgegen zu nehmen.
Noch bevor Sandra es verhindern konnte, hatte Tim ein Menü bestellt. Für Sandra gab es einen extra Salat. Albert verschwand wieder, und Tim wandte sich an Sandra.
„Komm schon, du brauchst gar nicht so verlegen auf die Tischdecke starren. Versuche einfach den Abend zu genießen. Es ist mal was Anderes.“
Wieder kam Sandra nicht dazu zu antworten.

„Schau mal einer an, wer sich hier ein romantisches Stell-dich-ein gibt.“ Johann Zeiler war mit seiner Frau an den Tisch getreten, und lachte die beiden an.
„Ist das nicht eine nette Überraschung Johann? Tim ist mit der reizenden Sandra hier. Ist das schön, euch hier zu sehen.“
Sandra wurde wieder rot. Jetzt mussten sie wieder das Pärchen spielen. „Hallo Betty, hallo Johann. Das ist aber schön sie hier zu sehen.“ Sandra setzte ihr strahlendes Lächeln auf, und stand auf, um Betty zu umarmen. Johann gab sie die Hand, dann setzte sie sich wieder.
„Ja, wir wollten mal wieder so richtig romantisch essen gehen“, erzählte Betty auch gleich.
„Ja“, stimmte Johann zu.
In diesem Augenblick mischte Albert sich ein. „Guten Abend Herr Zeiler, guten Abend Frau Zeiler. Ihr Tisch ist frei. Soll ich sie hinbringen?“
Betty schüttelte sofort den Kopf. „Ach nein, da wird doch noch ein Tisch nebenan frei. Können wir den haben? Wir haben hier gerade unsere Freunde getroffen.“
Albert nickte natürlich, und Sandra seufzte innerlich. Auch das noch. Jetzt musste sie wieder mit Tim turteln. Dagegen hatte sie ja nichts einzuwenden, aber es tat ihr im Herzen weh, wenn sie daran dachte, dass alles nur gespielt war.
Tim warf ihr einen kurzen entschuldigenden Blick zu. Es schien ihm ehrlich leid zu tun, dass die Zeilers jetzt am Nebentisch saßen. Er beugte sich zu Sandra. „Ich weiß, ich kann dich nicht schon wieder darum bitten für mich zu schauspielern. Wenn du willst, dann stelle ich das sofort klar.“
Sandra warf einen kurzen Blick zu Betty und Johann. Die beiden sahen sich gerade verliebt in die Augen, küssten sich, und sahen dann zu Tim und Sandra. Schnell wandte Sandra den Blick ab. „Ich weiß nicht. Die beiden sind so reizend. Ich will gar nicht daran denken, wie enttäuscht sie sein werden, wenn wir ihnen sagen, dass wir sie angelogen haben.“
„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen Sandra. Es war ja meine Lüge und nicht deine. Wenn dann sollen sie auf mich sauer sein.“
Sandra schüttelte den Kopf. „Nein, das will ich nicht. Belassen wir es bei unserer kleinen Notlüge. Ich will nicht, dass du Ärger bekommst. Am Ende entzieht dir Johann noch seinen Fall. Das kann sich unsere Kanzlei nicht leisten.“
Tim sah Sandra dankbar an. „Es ist nett von dir, dass du so denkst. Ich weiß gar nicht, wie ich dir das danken kann. Aber wenn du nicht mehr willst, dann sag es einfach, und ich stelle die Sache richtig.“
Sandra nickte, dann kam auch schon ihre Bestellung.

Sandra blickte immer wieder verstohlen zu Betty und Johann. Sie fand es nach wie vor süß, wie die beiden miteinander umgingen. Sie hoffte, dass auch sie einmal einen Partner finden wird, mit dem sie im Alter auch noch so glücklich ist. In diesem Augenblick sah Betty zu ihnen hinüber. Sandra sah schnell weg, und merkte, dass auch Tim anscheinend zu den beiden geschaut hatte. Sofort ergriff Tim Sandras Hand, und sah sie verliebt an. Sandra blickte ihm tief in die Augen, und blinzelte dann wieder zu Betty hinüber. Diese beobachtete sie immer noch und eine steile Sorgenfalte hatte sich auf Bettys Stirn gebildet.
Betty gab Sandra ein unauffälliges Zeichen, und stand kurze Zeit später auf. Sandra wusste nicht was sie machen sollte, und sah ihr eine Weile hinterher. Wieder drehte Betty sich um, und gab ihr ein Zeichen ihr zu folgen. Sandra sah Tim fragend an, der das ganze aus dem Augenwinkel beobachtet hatte.
„Was soll ich denn jetzt machen?“
Tim zuckte nur mit den Achseln. „Ich weiß auch nicht.“
„Ich schau mal was sie will. Entschuldige mich bitte.“
Tim nickte, und erhob sich, wie es sich für einen Gentleman gehört, von seinem Stuhl als Sandra aufstand.
Sandra folgte Betty auf die Toilette. Betty stand vor dem Spiegel und prüfte ihr Make-up.
Sandra gesellte sich zu ihr. „Was ist los?“, fragte sie auch sogleich.
Betty drehte sich zu ihr um. „Ich weiß, es geht mich nichts an. Aber mir ist aufgefallen, dass sie nicht so herzlich miteinander umgehen, wie sie es auf unserer Party gemacht haben. Hatten sie vielleicht Streit?“ Betty schien sich wirklich Sorgen zu machen, und Sandra fand das sofort süß.
Deswegen hatte sie erst Recht ein schlechtes Gewissen, weil sie Betty anlügen musste. „Nein Betty, wir hatten keinen Streit. Tim ist nur sehr überarbeitet. Und da er so wenig Zeit hatte, wollte er mit mir Essen gehen. Doch seine Arbeit scheint ihn nicht loszulassen. Aber das wird schon wieder.“ Sandra war diese Lüge nicht leichtgefallen.
Betty drückte Sandras Hand. „Ich hoffe, dass das wieder wird. Was wären die Männer ohne uns. Ich musste anfangs auch sehr viel zurückstecken. Aber jetzt sind wir beide für uns da. Glauben sie mir Sandra, das wird wieder besser, und Tim weiß bestimmt zu schätzen, dass sie so hinter ihm stehen.“
Sandra nickte. „Da bin ich mir ziemlich sicher.“
Betty und Sandra verließen die Toilette wieder, und kehrten an ihre Tische zurück. Da sich Sandra von Betty beobachtet fühlte, umschlang sie erst Tim von hinten mit den Armen, und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Danach flüsterte sie schnell: „Betty macht sich Sorgen, weil wir nicht so liebevoll miteinander umgehen. Sie befürchtet, dass wir Streit haben.“ Dann gab sie ihm noch einen Kuss, und setzte sich wieder. Mit einem kurzen Seitenblick auf Betty stellte Sandra fest, dass diese schon zufriedener aussah.
Tim griff sofort nach Sandras Hand, und lächelte sie an.
Sandra lächelte zurück. Dann sah sie Tim erstaunt an, als dieser aufstand, und sich zu ihr hinüberbeugte. Leicht drückte er ihr einen Kuss auf den Mund, und setzte sich wieder. Sandra war so perplex, dass sie den Kuss gar nicht erwidern konnte. Sofort stellten sich ihre Nackenhärchen auf, und sie versuchte, ihr wild klopfendes Herz zu beruhigen. Sie setzte ein, ihrer Meinung nach strahlendes Lächeln auf. Allerdings wirkte es verunsichert. Tim sah sie fast entschuldigend an, und lächelte zurück.
Sandra sah zu Betty, die gerade mit Johann tuschelte. Dann sah sie kurz zu den beiden herüber, und dann tuschelten sie weiter. Sandra hatte sofort das Gefühl, dass die beiden etwas ausheckten. Und sie sollte Recht behalten.

„Hat es dir denn geschmeckt?“, fragte Tim, nachdem der Kellner den Tisch abgeräumt hatte.“
Ja, sehr. Alles in allem war es ein wirklich schöner Abend. Danke.“
Tim lächelte sie an. „Du brauchst mir doch nicht zu danken. Ich habe das wirklich gerne gemacht.“
In diesem Augenblick traten Johann und Betty wieder an den Tisch. „Wir werden jetzt nach Hause fahren, und uns noch einen schönen Abend machen. Am Wochenende geben wir eine Party. Wollen sie beide nicht auch kommen?“
Sandra sah Tim an, und dieser sah fragend zu ihr.
„Hast du schon etwas vor am Wochenende?“, fragte Tim dann auch sogleich. Er ließ ihr die Wahl ob sie mitkommen wollte oder nicht. Sie konnte ohne weiteres sagen, dass sie schon etwas geplant hatte.
Aber zu ihrer eigenen Verwunderung sagte Sandra: „Nein Schatz, Anna hat dieses Wochenende keine Zeit. Wenn du willst, können wir auf die Party gehen.“
Tim lächelte sie dankbar an. „Natürlich will ich. Wir kommen Johann.“
Betty schien sich zu freuen. „Oh wie schön. Es kommen nicht sehr viele Leute, aber die Party geht über das ganze Wochenende. Natürlich richten wir auch für sie beide ein Gästezimmer her. Wir freuen uns schon auf sie. Bis bald.“ Mit diesen Worten, und noch bevor Tim oder Sandra widersprechen konnten, waren die beiden auch schon verschwunden.
Sandra sah Tim mit offenem Mund an. „Wir sollen bei den Zeilers übernachten?“
Tim sah Sandra ein wenig hilflos an. „Das haben die beiden ja wieder geschickt eingefädelt. Was sollen wir ihnen nur sagen, damit wir nicht dort schlafen müssen. So was kann man doch nicht erklären, wenn man ein Paar ist.“ Tim sah Sandra entschuldigend an.
Sandra schien zu überlegen. „Da fällt uns schon was ein. Wir gehen da normal hin, und lassen uns dann im Laufe des Abends etwas einfallen, warum wir nach Hause fahren müssen. Vielleicht haben wir ja am nächsten Tag einen wichtigen Termin. Wir müssen schon früh raus oder so.“ Sandra sah Tim hoffnungsvoll an, und dieser schien mit ihrem Einfall einverstanden zu sein.
„Das ist es. Da schöpfen sie sicher keinen Verdacht, und werden uns nicht mit Fragen löchern.“
Sandra sah ihn triumphierend an, und grinste. „Genau so werden wir es machen. Wir müssen uns nur noch bis zum Wochenende überlegen, wohin wir müssen. Das wird sich gar nicht als so einfach erweisen, denn schließlich ist am nächsten Tag Sonntag.“
Tim nickte. „Ich habe es. Wir sagen einfach, dass wir am nächsten Tag zum Brunch eingeladen sind. Am besten noch bei einem anderen Geschäftspartner. Da kommen sie uns nicht aus.“
Tim steigerte sich richtig hinein, und Sandra wurde wieder einmal richtig bewusst, dass alles nur ein Spiel war. Alles was sie hier machten oder planten war eine Show.
„Die Rechnung Herr Beckmann“, meldete sich Albert dazwischen. Sandra war fast dankbar wegen der Störung. Sie wollte jetzt so schnell wie möglich nach Hause. Diese Überlegungen hatten sie wieder ziemlich deprimiert.
„Wollen wir noch etwas unternehmen?“, riss Tim sie aus ihren Gedanken, als Albert wieder weg war.
„Wie?“, fragte Sandra, die nicht zugehört hatte.
„Ich fragte dich, ob wir noch etwas unternehmen wollen?“
Sandra suchte schnell nach einer Ausrede. „Ich weiß nicht“, meinte sie dann, und gähnte. „Ich bin doch schon ziemlich müde. Ich glaube ich will nach Hause. Morgen muss ich schließlich wieder früh aufstehen. Sonst komme ich womöglich noch zu spät in die Arbeit. Das sieht mein Chef gar nicht gerne.“ Frech zwinkerte Sandra Tim zu, und dieser spielte sofort mit.
„Ach ich weiß nicht. Ist dein Chef denn so ein Scheusal?“
Sandra lachte auf. „Ganz schrecklich“, meinte sie nur zwinkernd, und Tim stand lachend auf.
„Na dann, werde ich dich nach Hause fahren. Ich will schließlich nicht, dass du in der Arbeit Ärger bekommst, weil du am Morgen nicht aus den Federn kommst.“
Jetzt lachte auch Sandra laut auf, und erhob sich aus ihrem Stuhl. Ihre schlechte Laune war wie verflogen, und jetzt bereute sie es fast, dass sie nichts mehr mit Tim unternahm.
Tim bot ihr wieder den Arm, und er brachte Sandra nach draußen. Kurze Zeit später hatte der Parkplatzwächter den Wagen gebracht, und Tim half Sandra beim Einsteigen. Dann fuhren sie nach Hause.

Tim hatte Sandra zu Hause abgesetzt. Gentleman wie er war hatte er ihr noch die Autotür geöffnet, und sie zur Haustür gebracht. Sandra hatte dann ziemlich schnell aufgesperrt, und war nach einem kurzen Abschiedsgruß nach drinnen verschwunden.
Jetzt saß sie auf ihrem Sofa, und starrte auf ihr Handy. Sollte sie Anna jetzt noch anrufen, und ihr von ihrem Date erzählen? Diese würde sich wahrscheinlich nur lustig machen über sie.
Aber Sandra brauchte gar nicht mehr zu grübeln, denn in dem Moment klingelte das Handy fröhlich. „Berger?“, meldete sich Sandra, und schon konnte sie die Stimme ihrer besten Freundin hören.
„Hallo Sandra. Ich habe nichts von dir gehört, und dachte mir, dass ich es jetzt einfach mal versuche.“
„Hallo Anna. Ich bin gerade erst Heim gekommen.“
Anna gluckste am anderen Ende. „Was so spät erst? Dann war es wohl ein schöner Abend. Erzähl schon.“ Anna war schon gespannt wie ein Flitzebogen, und Sandra musste lachen.
„Mann, hast du kein eigenes Privatleben, oder warum interessierst du dich immer so brennend für meines“, zog Sandra ihre Freundin auf, und diese schmollte auch sofort.
„Ja ja, sag mir nur, dass ich Single bin und so weiter. Jetzt rede endlich.“
Wieder lachte Sandra, begann dann aber zu erzählen.

Als Sandra dann endlich fertig war, war es kurze Zeit still am anderen Ende der Leitung. Sandra befürchtete schon, dass Anna aufgelegt hatte. „Anna, bist du noch da?“
„Äh ja ja“, kam es auch prompt zurück. „Und, wirst du die Ausrede verwenden?“
Sandra starrte den Hörer an. „Warum denn nicht? So können wir uns geschickt aus der Affäre ziehen.“
Anna hüstelte und räusperte sich dann.
„Oh oh, jetzt kommt gleich wieder so eine super Idee,“ meinte Sandra sarkastisch, da sprudelte Anna auch schon los.
„Ich bin mir gar nicht sicher, ob das mit der Ausrede so eine gute Idee ist. Vielleicht schöpft Betty Verdacht, und dann kommt sie euren Lügen auf die Schliche.“
„Ja soll ich mir mit Tim wirklich ein Zimmer teilen?“ Sandras Stimme klang entrüstet.
„Ja warum denn nicht?“, fragte Anna wieder zurück.
„Weil wir nur vorgeben ein Paar zu sein. Was glaubst du wird Betty sagen, wenn ich nach getrennten Zimmern Frage?“
Anna lachte laut auf. „Dummerchen. Natürlich schläfst du mit Tim in einem Zimmer. Ich meine, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich sein darf. Ihr habt euch da in Lügen verstrickt, und jetzt solltet ihr die Suppe auch auslöffeln.“
Sandra war ein wenig gekränkt, weil Anna so gar kein Verständnis hatte für ihre prekäre Lage. „Es war aber nicht meine Lüge, sondern das ist auf Tims Mist gewachsen.“
„Aber du hast mitgespielt, und es hat dir ja scheinbar ziemlich viel Spaß bereitet.“
Jetzt war Sandra empört. „Spaß? Ich wollte meinen Chef nur nicht als Vollidioten dastehen lassen. Wenn Johann uns diesen Fall entzieht, dann geht uns eine große Geldquelle flöten. Wenn die Kanzlei dichtmachen muss, dann muss ich mir einen neuen Job suchen.“
„Tim hat dir oft genug angeboten alles richtig zu stellen. Du wolltest das nicht. Und warum? Weil du in Tim verliebt bist, und irgendwie hoffst, dass sich da noch etwas entwickelt.“ Jetzt war es still in der Leitung, und nun musste Anna befürchten, dass ihre Freundin aufgelegt hatte. „Tut mir Leid Sandra, aber das ist nun einmal meine Sicht der Dinge, und das musste ich dir endlich sagen. Jetzt sei doch nicht dumm. Das ist doch deine Chance herauszufinden, wie Tim zu dir steht.“
Sandra dachte darüber nach. Natürlich hatte Anna Recht. Das hatte sie heute Abend erst festgestellt. Aber, mit Tim das Zimmer zu teilen, ob das der richtige Weg war? Und wie würde er erst reagieren, wenn sie ihm eröffnete, dass sie nun doch dort übernachten wollte? Das konnte sie nicht. „Aber jetzt habe ich mir so eine gute Ausrede einfallen lassen. Wie soll ich Tim erklären, dass ich jetzt doch dortbleiben möchte? Das kann er nicht verstehen, wenn ich ihm nicht sage, dass ich in ihn verliebt bin. Das kann ich doch unmöglich machen.“
„Dann lass dir was einfallen. Im Ausreden erfinden bist du doch einsame Spitze.“ Anna zog ihre Freundin frech auf.
Sandra lachte säuerlich ins Telefon. „Du bist schon lustig. Erst überredest du mich meinen Plan zu ändern, und dann lässt du mich einfach hängen.“
„Ist ja schon gut. Sag Tim einfach, dass du bedenken hast, weil Betty so zudringlich zu dir geredet hat in der Toilette. Und sag ihm, dass sie vielleicht noch eher meint, dass etwas nicht stimmt, wenn ihr nicht bleibt. Das wird Tim bestimmt genauso wie du sehen. Dann lässt du das Wochenende einfach auf dich zukommen, und wir werden ja sehen was passiert.“
Sandra dachte über diese Idee nach. „Okay, das hört sich ziemlich plausibel an. Das könnte ich versuchen.“
„Siehst du. Und dann wirst du bestimmt auch einiges über Tims Gefühle für dich herausfinden. Genieße den Abend so wie er kommt. Seine Freundin zu spielen macht dir doch Spaß. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr einen netten Abend haben werdet.“
„Ja, vielleicht hast du Recht. Wir haben sowieso bald Wochenende. Morgen ist Freitag und da werde ich ihm den neuen Plan verklickern. Mal sehen was er davon hält.“
„Tue das. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich freut, wenn er von deinem Vorhaben erfährt.“
„Wenn du meinst. Ich rufe dich morgen Abend dann an, und sage dir was rausgekommen ist. Wenn ich mich nicht mehr melde, dann hat Tim mir den Kopf abgerissen.“
Anna lachte. „So ein Quatsch. Also dann, bis morgen Abend. Tschüss.“ Anna legte auf, und Sandra lehnte sich auf dem Sofa zurück.
Sie war sich gar nicht so sicher, ob es eine gute Idee war, aber sie konnte es zumindest versuchen. Dann würde sie schon sehen. Jetzt wollte sie aber endlich schlafen gehen. Denn sonst würde sie wirklich verschlafen, und Tim würde sich fragen warum.

Fortsetzung folgt …

… weiter geht es nächsten Donnerstag!

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