Fantasie-Reise | Kurzgeschichten

Neugier und andere Schwierigkeiten!

6. Juni 2019
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Stichworte:
Sonne, Strand, Mord, Steg und Traum (danke liebe Wiebke, für Deine Stichworte)

Es war sehr früh am Morgen, und Marla saß lächelnd am leeren Strand und genoss den wundervollen Ausblick auf das Meer. Der Himmel war strahlend blau, und keine Wolke war zu sehen. Die Sonne zauberte ein zauberhaftes Glitzern und Funkeln auf das Wasser, das in kleinen Wellen an den Strand gespült wurde.

Marla hatte lange auf diesen Urlaub warten müssen. Ständig saßen der jungen Journalistin und Schriftstellerin irgendwelche Deadlines im Nacken. Dieses Gehetze von einem Termin zum Nächsten hatte seinen Preis. Marla war total ausgebrannt und müde. Es hatte viel zu lange gedauert, bis sie den Mut aufbrachte, ein lautes „Nein!“ in den Raum zu brüllen, alle Termine abzusagen, ihre Koffer zu packen und einfach abzudüsen.
Das Handy hatte sie bewusst Zuhause gelassen, ebenso wie ihren Laptop und ihr Tablett. Sie wollte sich durch nichts vom Entspannen ablenken lassen.

Nun saß sie am Strand, lächelte verzaubert und war so entspannt und gelassen, wie schon lange nicht mehr. Ihr langes hellbraunes Haar kräuselte sich, dank des Meerwassers, in sanften Locken den Rücken hinunter.
„Hätte ich gewusst, wie schön es hier ist, wäre ich schon viel eher hierhergekommen“, murmelte sie leise vor sich hin, schloss die haselnussbraunen Augen, und ließ sich die wärmende Sonne ins Gesicht scheinen.
Langsam glitt ihr Oberkörper hinunter auf das Handtuch.  Heute würde sie nichts tun, als am Strand zu liegen und die Sonne und die Ruhe zu genießen.

Gerade als Marla einnicken wollte, wurde sie von einem merkwürdigen Tumult aus ihrer Ruhe gerissen. Widerwillig öffnete sie die Augen und setzte sich wieder auf, konnte aber die Quelle der Unruhe nicht ausmachen. Erst wollte sie sich wieder hinlegen. Sicher würde schnell wieder Ruhe einkehren, aber die Journalistin in ihr, die sehr neugierig war, gewann die Oberhand, und so stand Marla auf und machte sich auf die Suche.

Kurze Zeit später fand sie die Urheber des Lärms, der inzwischen in einen lauten und unschönen Streit ausgeufert war, an einem verlassenen Steg. Die Ecke war gut versteckt, und so rechneten die beiden Männer nicht mit Zuschauern.
Marla wollte gerade auf die Beiden zugehen, und um etwas Ruhe bitten, als sie etwas aufblitzen sah. Erschrocken sprang sie hinter einem der kleinen Felsen in Deckung, von denen sie umgeben war. Einer der beiden Männer hatte ein Messer in der Hand, und ging bedrohlich auf den anderen zu, der panisch rückwärts über den Steg stolperte und auf den anderen einredete.
„Komm schon, ich kann nichts dafür, dass es letzte Nacht nicht so gut lief. Die Kids in der Disco wollen einfach keine Drogen mehr nehmen. Ich muss mir einen anderen Platz suchen. Ich werde schon einen finden, der bessere Profite abwirft.“ Die Stimme des Mannes klang ängstlich, und passte zu seinem Gesichtsausdruck.

Marla hätte vor Schreck fast aufgeschrien und schlug sich keuchend die Hand vor den Mund.

„Der Boss will nicht mehr warten. Seit Wochen hört er nur Ausreden von dir.“ Der Kerl mit dem Messer schritt weiter auf den wimmernden Mann zu, der inzwischen das Ende des Stegs erreicht hatte.
„Komm schon Carl, wir haben uns doch immer gut verstanden. Verschaff mir noch einen kleinen Aufschub beim Boss. Ich werde ihn sicher nicht enttäuschen, versprochen.“ Der panische junge Mann legte die Handflächen aneinander und verlegte sich aufs Betteln. „Bitte Carl, tu das nicht.“
Carl schien allerdings keine Gnade zu kennen, denn er führte den Auftrag seines Bosses ohne mit der Wimper zu zucken aus.

Wieder musste Marla einen Schrei unterdrücken, als das Messer durch die Luft sauste, und den armen Mann mitten in der Brust traf. Wie ein Mehlsack kippte er nach hinten über und verschwand im Wasser.
Keuchend sprang Marla hinter ihrem Stein hervor und rannte los. Auf keinen Fall wollte sie das Schicksal mit diesem armen Tropf teilen.
Allerdings war, ihr Versteck zu verlassen, nicht die beste Idee die sie hatte. Denn natürlich hatte Carl sie entdeckt, und nahm fluchend die Verfolgung auf.
Obwohl Carl groß und bullig wie ein Schrank war, kam er Marla schnell näher. Diese begann in Panik zu schreien, und Carl jagte fluchend noch schneller hinter ihr her.
Marla hatte das Gefühl, seinen heißen Atem bereits im Nacken zu spüren und schrie wie verrückt los.

„Hallo? Geht es ihnen gut?“

Marla schrie und schrie, so dass die Stimme in ihrer Nähe gar nicht so recht zu ihr durchdringen konnte. Sie spürte nur die schwere Hand Carls auf ihrer Schulter, die sie nun festhielt und herumriss. Panisch kniff sie die Augen zu und verspannte sich.

„Hallo!“, die Stimme wurde eindringlicher, „hören sie mich?“

Wieder schrie Marla auf, schlug mit Armen und Beinen wie verrückt um sich, und wollte sich auf dem Griff befreien.
„Nein, nein … bitte tun sie mir nichts an!“, schrie Marla, während sie verzweifelt gegen den Griff an ihrer Schulter ankämpfte. Dieser wurde nun noch stärker, und sie wurde regelrecht durchgeschüttelt.

„Bitte, ich will ihnen doch gar nichts tun. Wachen sie auf!“

Marla schrak so schnell und unerwartet hoch, dass sie den Mann, der ihre Schulter festhielt und schüttelte mitriss. Jetzt lag er vor ihr im Sand und sah sie erschrocken an.
„Sie sind nicht Carl.“ Verwirrt sah Marla sich um. Wo war Carl? Woher kamen die ganzen Leute um sie herum, die im Sand lagen, so als wäre gerade eben nicht diese schreckliche Sache geschehen?
„Geht es ihnen gut?“ Der junge Mann zu ihren Füssen hatte sich aufgesetzt, und klopfte den Sand von seinen Armen.
Marla sah ihn dümmlich an und dachte nach. „Was ist geschehen?“ Sie war immer noch total perplex.
„Sie haben geschrien wie am Spieß. Sagen sie mir doch was geschehen ist.“ Er lächelte sie entwaffnend an.
„Ich weiß nicht. Ich dachte ich hätte einen Mord beobachtet. War das alles nur ein Traum?“
Der junge Mann lachte. „Ja, das war nur ein Traum. Ich liege schon eine Weile hier neben ihnen, und sie haben friedlich geschlummert.“
Marla wurde rot und der junge Mann sah sie verlegen an.  „Also“, stammelte er, „ich habe sie nicht beobachtet oder so, falls das jetzt den Anschein macht.“ Jetzt wurde er feuerrot und er senkte den Blick. „Ich gehe besser wieder an meinen Platz zurück. Ich habe nämlich schon genug Schwachsinn von mir gegeben.“ Mit einem entschuldigenden Lächeln krabbelte er auf sein Handtuch zurück, ließ sich auf den Rücken plumpsen und schloss die Augen.

„Vielen Dank fürs aufwecken. Vielleicht kann ich mich ja mit einem Drink drüben an der Bar erkenntlich zeigen?“, hörte Marla sich auch schon fragen, und hätte sich in dem Moment am Liebsten auf die Lippen gebissen. Was war denn nun in sie gefahren?
„Gern geschehen, und gerne gehe ich mit ihnen auf einen Drink,“ antwortete der junge Mann, und setzte sich wieder auf. „Wollen wir gleich?“
Marla lächelte und nickte, dann stand sie auf. Freundlich streckte sie dem jungen Mann, der sie vor Carl „gerettet“ hatte ihre Hand entgegen. Dieser griff danach und ließ sich von ihr auf die Beine helfen.
„Erzählen sie mir von Carl?“, fragte der junge Mann zwinkernd, während die beiden in Richtung Strandbar schlenderten.

Ende

Wie hat Dir die erste Kurzgeschichte gefallen? Lob und Kritik sind immer gerne gesehen, gehört und gelesen!

Alles Liebe
Deine Lisbeth
aus Deiner Lieblings-Lese-Ecke

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  1. Oh wow Lissi du bist der Wahnsinn!!!Hammer!!Richtig spannend..Du bist toll!Danke dir ,das du so eine spannende Geschichte draus gemacht hast 😍

    1. Ach du liebe Wiebke,

      ich freu mich ja so, wenn ich dich so ausserordentlich begeistern kann 😍
      Schön, dass es dir gefallen hat meine Liebe 😘

      Liebste Grüße
      Lisbeth 😘

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