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Stichworte: Sahara, Wüste, Schneemann, Winterklamotten, Taucheranzug
Danke Nico, für Deine Stichworte!

„Hey Sarah, hast du heut gar nicht dein nerviges Anhängsel dabei?“ Laura begrüßt ihre beste Freundin grinsend.
„Kannst du bitte damit aufhören, David immer als lästiges Anhängsel zu bezeichnen?“, antwortete Sarah und schaute ihre Freundin strafend an.
„Ach, ich mach doch nur Spaß. Er ist halt manchmal ein kleines bisschen anstrengend.“  Laura versuchte, die Wogen wieder zu glätten.
„Ich weiß,“ lachte Sarah, „aber er ist ein lieber Kerl. Nicht so ein Idiot wie Dennis. Gott, ich bin so froh, dass ich ihn los bin. Der Kerl ist wirklich nichts für schwache Nerven.“
Laura nickte düster, und dachte an die Zeit zurück, in der Sarah mit Dennis zusammen war. Dennis war ein Obermacho. Er bildete sich ein, dass sein Wort Gesetz war, und dass Sarah zu springen hatte, wenn er mit dem Finger schnippte. Außerdem war er krankhaft eifersüchtig, was am Ende dazu führte, dass Sarah kaum mehr Kontakt zu irgendjemandem hatte. Das war besonders schlimm, weil Dennis sehr rabiat war, und nicht gerade sehr liebevoll mit Laura umgegangen war. Wenn er getrunken hatte, wurde er richtig schlimm handgreiflich.
Laura hatte Sarah dort herausgeholt, nachdem sie ihre beste Freundin im Hochsommer mit Winterklamotten beim Einkaufen getroffen hatte. Dennis war ausgeflippt, als sie mit einem hübschen, leichten und kurzen Sommerkleid einkaufen gehen wollte. Er hatte sie so lange genervt, drangsaliert und unter Druck gesetzt, bis sie nachgegeben hatte, und in eine lange dicke Jeans und in einen warmen Parka geschlüpft war.
„Sei froh, dass du ihn los bist. Es war gar nicht so leicht, ihn von dir fern zu halten.“
Sarah nickte, hing eine kurze Weile ihren düsteren Vergangenheitsgedanken nach, und trank einen Schluck ihres Milchkaffees.

„Du hast Recht Laura.“
„Oh wie toll, wenn man vom Teufel spricht“, murmelte Laura, verdrehte die Augen und ging sofort in Abwehrhaltung.
Dennis hatte das Café betreten, und die beiden recht schnell entdeckt. Sofort marschierte er auf den Tisch der beiden Freundinnen zu. An seinem torkelnden Gang konnte Laura erkennen, dass er schon wieder angetrunken war. Das konnte heiter werden.
„Hey, Sahara … schön, dass du hier auf mich wartest.“, säuselte Dennis auch schon los, ließ sich schwer auf einen Stuhl am Tisch fallen, und betatschte Sarah am Bein.
„Ich heiße Sarah du Idiot, und nimm deine Finger weg.“ Sarah fauchte Dennis sofort an. Sie wollte sich auf keinen Fall anmerken lassen, dass er ihr immer noch eine Heidenangst machte.
„Hey, das sollte ein Kompliment sein … Sahara … du weißt schon … wie die Wüste … weil du so unfassbar heiß bist“, nuschelte Dennis vor sich hin, und platzierte seine Hand wieder auf ihrem Oberschenkel.
Sarah biss die Zähne zusammen, schluckte ihre aufkeimende Panik hinunter, schlug seine Hand wieder weg und knurrte ihn an: „Ich sagte, nimm deine Pfoten von mir du Arsch. Hau ab, lass mich endlich in Ruhe Dennis.“
Dennis Augen wurden zu Schlitzen und er funkelte sie an. „Hey, ist das der Dank dafür, dass ich immer so gut zu dir war?“
Jetzt sprang Laura auf. „Gut zu ihr? Du hast ja eine Macke Alter. Mach, dass du verschwindest und lass Sarah endlich in Ruhe.“
Auch Dennis sprang jetzt auf. „Hey, du dumme Kuh. Misch dich nicht dauernd in Angelegenheiten, die dich nichts angehen. Wir waren so glücklich, bis du dahergekommen bist.“
Die beiden Frauen starrten sich fassungslos an. Glaubte er das wirklich?
„Komm sweet Sahara, wir machen uns einen schönen Abend.“ Wie selbstverständlich nahm Dennis Sarahs Hand und wollte sie auf die Beine ziehen. Diese saß wie paralysiert auf ihrem Stuhl, und wusste nicht, was sie tun sollte.
„Lass Sarah los“, rief Laura auch schon dazwischen, und schubste Dennis weg. „Kapierst du es nicht Dennis? Sarah will dich nie wiedersehen. Die Zeit mit dir war die Hölle, und das will sie nie wiederhaben. Also zisch ab!“

Die Gespräche rundherum waren verstummt. Alle starrten auf das Trio, die einen belustigt, die anderen neugierig, aber die meisten schauten genervt. Nun kam auch ein Kellner auf die Drei zu.
„Ich muss sie wirklich bitten, ihr Temperament zu zügeln. Sonst verweise ich sie des Cafés.“ Er blieb stehen, und wartete. Laura starrte ihn mit offenem Mund an. Dennis machte hier Rabatz und deswegen würde dieser Schnösel jetzt auch sie und Sarah vor die Tür setzen?
Laura wollte gerade erklären, dass Dennis hier der Störenfried war, da funkte ihr dieser auch schon dazwischen.
„Aber echt jetzt. Diese Person,“ mit diesen Worten deutete er auf Laura, „diese Person macht ständig Probleme und Schwierigkeiten. Ich wäre echt froh, wenn sie die rauswerfen würden.“
Bei Laura brannten gerade alle Sicherungen durch, doch bevor sie Dennis in Grund und Boden stampfen konnte, kam Leben und Sarah. „Wir gehen“, murmelte sie nur, und schob Laura einfach aus dem Café.
Dennis folgte ihr auf den Fuß. „Komm schon, lass die Kuh stehen und komm mit mir mit. Es wird alles wieder so schön wie früher, ich verspreche es dir.“
„Nein Dennis, lass mich zufrieden. Hau endlich ab.“ Sarah schrie ihm die Worte regelrecht ins Gesicht. Sie wusste nicht, woher sie den Mut genommen hatte. Sie bereute es auch schon in dem Moment, in dem sie die Worte herausgebrüllt hatte.
Dennis Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Sarah kannte diesen Ausdruck. Er verhieß nichts Gutes. Dennis würde gleich wieder einen seiner jähzornigen und zerstörerischen Tobsuchtsanfälle bekommen. Und sie behielt Recht.
Ohne zu zögern holte Dennis mit der Hand aus und ballte sie zur Faust. Doch zum Zuschlagen kam er nicht. Aus dem nichts war jemand aufgetaucht, und hatte Dennis herumgerissen.
„Haut ab!“ Es war David, und dieser scheuchte die beiden jungen Frauen die Straße hinunter.
„Oh Mann, genau zur richtigen Zeit“, murmelte Laura dankend, während sie in eine andere Straße einbogen. Doch David war nicht mehr neben ihr. Dennis war ihnen hinterhergerannt, und hatte sich David geschnappt. Dennis linke Faust flog durch die Luft, und David krachte gegen die Hauswand in seinem Rücken.
„Jetzt haut endlich ab!“, schrie David wieder, und stürzte sich auf Dennis, der gerade die Verfolgung der beiden Freundinnen aufnehmen wollte. Die Beiden machten sich aus dem Staub.

Fünf Häuserblocks weiter kamen Sarah und Laura keuchend zum Stehen. In ein Gewerbegebiet zu laufen, war nicht ihre beste Idee gewesen.
„Ist er weg?“ Sarah rang nach Luft.
„Ich denk schon“, schnaufte Laura und ließ sich auf den Boden sinken.
„Oh Mann, David ist diesem Irren ganz alleine ausgeliefert. Wir hätten nicht weglaufen dürfen.“ Sarah machte sich große Vorwürfe.
„Nein Liebes, David wollte dich retten. Er hätte die Prügel ganz umsonst eingesteckt, wenn Dennis dich doch noch gekriegt hätte. Ich ruf die Polizei. Die helfen David. Wir halten und von Dennis fern. Er ist unberechenbar, und du hast gesehen, mit welcher Brutalität er vorgeht.“ Laura sah ihre beste Freundin ermahnend an.
„Ja du hast recht. Dennis ist heute total durchgeknallt. Eine Nacht in der Ausnüchterungszelle schadet ihm sicher nicht.“ Laura hatte den Notruf schon gewählt, als Sarah sie am Arm rüttelte.
„Leg auf, da hinten kommt David. Er ist Dennis entkommen.“ Sarah rannte los, während Laura noch auflegte und aufsah.
„Shit,“ murmelte sie, „Sarah bleib stehen! Das ist nicht David, das ist Dennis!“
Sarah hatte ihren Fehler auch schon bemerkt, machte kehrt und eilte zu Laura zurück.
„Was jetzt?“
„Wir machen uns vom Acker. Er bleibt stehen. Vielleicht geht ihm die Puste aus und er kommt und nicht mehr hinterher.“
Die beiden jungen Frauen spurteten wieder los. Dennis nahm sofort die Verfolgung auf.
„Mist, was nun?“, rief Sarah keuchend.
„Zwei Häuserblocks weiter ist ein kleines Museum. Das hat zu später Stunde noch geöffnet. Da laufen wir hin. Der Museumswärter wird uns sicher behilflich sein.“ Laura gab noch einmal alles, und lief noch schneller. Sarah hatte Mühe Schritt zu halten, gab sich aber allergrößte Mühe, nicht zurück zu fallen.

„Wir haben es gleich geschafft.“ Laura deutete auf das beleuchtete Gebäude.
„Noch ein paar Schritte“, schnaufte Sarah schwer.
„Bleib stehen Sarah“, brüllte Dennis weit hinter ihnen.
Kurz darauf, stürmten die Beiden das Museum. Der Platz des Museumswärters war leer. Hinter ihnen donnerten Dennis Schritte auf dem Asphalt.
„Shit, lass uns weiter ins Museum laufen. Wir verstecken uns vor Dennis.“
„Gute Idee, wir verstecken uns, und rufen von da aus die Polizei. Die sollen den bloß mitnehmen.“ Laura nickte, und die beiden Frauen hasteten durch das Museum.

„Hier Laura, versteck dich hinter diesem vorsintflutlichen Taucheranzug. Dort findet er dich nicht.“ Sarah schob Laura in die Ecke in der das Ungetüm stand.
„Und du?“, fragte Laura skeptisch.
„Ich find schon was. Wir passen da leider nicht zu zweit dahinter. Los mach schon. Ruf die Polizei.“
Sarah gab Laura einen Schubs, und rannte weiter. Sie fand eine Tür, die einen Spalt offenstand und schlüpfte hinein. Leise schloss sie die Tür hinter sich und drehte sich um. Im leichten Schein der Notbeleuchtungslampe sah sie jemanden. Sarah erschreckte sich zu Tode und schrie auf.
Die donnernden Schritte, die sich gerade noch von ihr entfernt hatten, kamen wieder in ihre Richtung.
„Helfen sie mir“, flehte Sarah und drehte sich wieder um. Es kam keine Antwort. Sarah kam näher, und bemerkte, dass niemand hier war. Sie hatte sich vor Snowflake erschreckt. Im Winter trug der Wärter des Museums manchmal das Kostüm, und verteilte als fröhlicher Schneemann Snowflake die Flyer für die Weihnachtsaustellung im Museum.
„Ich Idiotin“, murmelte Sarah und sah sich hilfesuchend um.
„Sarah, wo bist du?“ Dennis war gefährlich nahe.
Sarah sah sich in der Rumpelkammer um, fand aber kein passendes Versteck. Sie war Dennis hilflos ausgeliefert.
„Sarah?“ Die Schritte waren direkt vor der Tür.
Da hatte Sarah eine Idee. Schnell schlüpfte sie, so leise wie möglich, in das Schneemannkostüm. Dann stellte sie sich bewegungslos vor den Haken, an dem es zuvor gehangen hatte. Vielleicht würde Dennis sie im angetrunkenen Zustand nicht sehen.
Sekunden später öffnete sich die Tür zur Rumpelkammer. Jemand steckte den Kopf herein.
„Hallo?“
Da Sarah im Kostüm nicht erkennen konnte, ob es Dennis oder der Museumswärter war, bewegte sie sich nicht. Sie hielt sogar reflexartig die Luft an, um ja keinen Mucks zu machen.
„Hier ist sie nicht Laura.“
War das David?
Dann konnte Sarah Lauras Stimme hören. „Sie muss doch irgendwo sein. Sie ist in diese Richtung gelaufen.“
„Laura!“, rief Sarah, und machte einen Schritt vorwärts. In dem klobigen Kostüm kam sie allerdings ins Stolpern und kippte nach vorne. Bevor sie gegen die Tür krachen konnte, ging diese wieder auf, und Sarah landete filmreif direkt vor Lauras Füßen.
„Snowflake?“ Laura war verwirrt, aber David lachte.
„Immerhin ist sie weich gefallen in diesem Kostüm.“ Er nahm Snowflake den Kopf ab, und Sarah kam zum Vorschein.
„Hey, da bist du ja.“ David lächelte sie liebevoll an, und half ihr aus dem Kostüm.
Währenddessen erklärte er den beiden, was vorgefallen war. „Nachdem Dennis mich fast bewusstlos zurückgelassen hatte, habe ich die Polizei gerufen und bin ihm nachgejagt. Die Polizei hat ihn ein paar Straßen von hier entfernt aufgegriffen und mitgenommen. Ich habe gesehen, dass ihr ins Museum gelaufen seid. Auf mein Rufen habt ihr nicht reagiert.“
„Ach du warst das? Wir dachten es ist Dennis. Tut mir Leid David.“ Laura sah ehrlich bedrückt aus und David lachte.
„Hey, alles halb so schlimm.“
Laura sah David nun mit ganz anderen Augen. Der tollpatschige Taps, der oftmals in seiner Verlegenheit nur Unsinn schwatzte, hatte sich heute als richtiger Held entpuppt.
„Warum warst du eigentlich heute am Café?“, fragte Sarah David, nachdem er sie aus dem Kostüm geschält, und auf die Beine gestellt hatte.
David sah sie verlegen an. „Ich wollt dich abholen und mit dir Essen gehen. Hab mich aber nicht rein getraut, weil ich ja weiß, dass Laura so eine schlechte Meinung von mir hat, und denkt ich bin ein Weichei.“
Laura sah David betroffen an. „Tut mir Leid David. Ich war wirklich nicht sehr nett zu dir. Ich gelobe Besserung, versprochen.“
David lächelte sie an. „Ich auch. Ich weiß ja, dass ich mich manchmal so doof anstelle. Aber ich bin einfach echt schüchtern, und wenn ich dann auch noch weiß, dass ich auf Ablehnung stoße, stelle ich mich noch schlimmer an.“
Laura lächelte. „Hey, ab heute hast du bei uns Heldenstatus.“

Ende

Alles Liebe
Deine Lisbeth
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© 2019 – Lisbeth A. Kießling – www.lieblingsleseecke.com

4 thoughts on “Ex-Kerle und andere Schwierigkeiten

  1. Oh meine Beste💕👍👍👍👍👍👌👌👌
    Wow du bist echt der Knaller,so merkwürdige Worte in so eine tolle Story zu verpacken,
    Klasse!!

    1. Liebes 😍
      Vielen lieben Dank 😘
      Jaaa, das war ein bisschen tricky, aber wenn es mal läuft, dann läufts. Kommenden Donnerstag sind Worte von dir dran 😊
      Liebe Grüße, Lisbeth

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