Fantasie-Reise | Kurzgeschichten

Alptraum-Trip und andere Schwierigkeiten

18. Juli 2019
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Stichworte: Apfelbaum, Kreuzfahrt, Kunst, Rasenmäher und Alptraum
Vielen Dank liebe Wiebke, für Deine wirklich ausgefallenen Stichworte!

„Ich freue mich schon so sehr auf die Kreuzfahrt“, schwärmte Lisa, während sie zum wiederholten Male in der Broschüre blätterte.
„Oh ja!“ Lisas Freundin Barbara stimmte ihr begeistert zu. „Das ist der erste richtige Urlaub meines Lebens, und dann machen wir das auch noch gemeinsam, beste Freundin. Das wird sicher unvergesslich.“
„Morgen geht es los.“ Lisa lächelt verträumt. „Bist du schon nervös?“
„Oh ja, und wie“, murmelte Barbara. „Und wie ich nervös bin.“
„Ach, brauchst du nicht Liebes, das wird sicher richtig cool.“ Lisa war sich ihrer Aussage sehr sicher, und Barbara entspannte sich ein wenig.
„Okay, wenn du es sagst … Du hast schon öfter Urlaub gemacht als ich. Schläfst du heute hier? Wir könnten zu dir fahren und deine Sachen holen. Dann haben wir morgen früh nicht so einen Stress.“  Barbara sah ihre beste Freundin fragend an.
„Ja klar, warum nicht, Dann fahren wir aber am besten gleich zu mir. Ich muss nämlich noch packen.“ Lisa grinste schelmisch.
„Na klar, was sonst.“ Barbara verdrehte genervt die Augen.

Eilig brachen die Freundinnen auf, um bei Lisa zuhause erst einmal Klarschiff zu machen.

Lisa warf ihre Kleidungsstücke wahllos in den Koffer, der geöffnet auf dem ungemachten Bett stand.
„Hast du deinen Badeanzug eingepackt?“ fragte Barbara und sah sich skeptisch um. Sie bezweifelte, dass ihre chaotische Freundin überhaupt wusste, was sie schon eingepackt hatte und was nicht.
„Ähm nein, ich denke nicht. Kannst du mir mal zwei Bikinis aus der untersten Schublade meiner Kommode rausholen?“
Barbara drehte sich zu der Kommode in ihrem Rücken um und begann, die unterste Schublade zu durchkramen.
„Hier sind keine Bikinis drin“, murmelte Barbara und dann seufzte sie auf.
„Dann schau mal in der Schublade darüber“, rief Lisa ihr zu. „Du wirst sie schon finden.“
Nachdem Barbara die ganze Kommode zweimal durchwühlt hatte, gab sie auf.
„Nein, tut mir leid, aber hier sind keine Bikinis.“ Barbara sah sich suchend um.
„Echt nicht? Hmmmm.“ Lisa schien nachzudenken. „Vielleicht habe ich sie doch schon eingepackt.“ Wild wühlte sie in ihrem Koffer und kurze Zeit später hielt sie triumphierend ihren Bikini in der Hand. „Siehst du, den habe ich doch schon eingepackt.“
Barbara verdrehte wieder die Augen. Wie konnte man nur so unorganisiert und schlampig sein? Aber sie liebte ihre beste Freundin einfach. Zusammen sind sie immer durch dick und dünn gegangen.
Kurze Zeit später klappte Lisa mühevoll den Koffer zu. Natürlich war er zu vollgestopft, und sie mühte sich mit dem Verschluss ab.
„Mist, ich bekomme den Koffer nicht zu. Hilf mir mal bitte Barb. Kannst du dich draufsetzen?“
Lachend kletterte Barbara auf das Bett und setzte sich auf den Koffer, aus dem an allen Ecken und Enden noch Kleidungsstücke hingen.
„Ich denke, so wird das nichts Lisa,“ kicherte Barbara, als ihre Freundin sich vergeblich abmühte, die Schnappverschlüsse einrasten zu lassen. „Du wirst die Sachen ordentlicher hinein räumen müssen, damit du den Koffer zu bekommst.“
„So weit kommt es noch“, murmelte Lisa, und öffnete den Kofferdeckel mit viel Schwung. Barbara viel rücklings in Lisas Bett und lachte.
Lisa nahm wahllos ein paar Kleidungsstücke heraus, stopfte und schob alles herum und nach einiger Zeit und einigen Kleidungsstücken weniger, lag der Koffer endlich geschlossen auf dem Bett.
„Endlich,“ schnaufte Lisa abgekämpft und zerrte das schwere Koffermonster vom Bett. „Wir können losfahren Barb.“
Barbara kletterte vom Bett herunter und folgte der schwer schleppenden Lisa in den Flur. Gemeinsam hievten die jungen Frauen den großen Koffer die Treppe hinunter und in den Kofferraum von Barbaras Auto.

Während Barbara ihren Wagen durch den Feierabendverkehr lenkte, plapperte Lisa darauf los. „Was machen wir heute Abend noch? Wollen wir ausgehen? Vielleicht ins Kino, oder ins Weavers?“
„Was?“ Barbara warf ihrer Freundin einen fragenden Blick zu. „Du willst heute noch ausgehen? Wir müssen doch schon um halb Vier Uhr in der Früh aufstehen, damit wir rechtzeitig am Busbahnhof sind. Wir können nicht die ganze Nacht Halligalli machen.“
„Spielverderberin“, maulte Lisa. Da sie allerdings wusste, dass Barbara recht hatte, sagte sie nichts mehr, lehnte sich zurück und entspannte sich. „Das wird sicher richtig cool.“

Später am Abend, nach dem Besuch des Pizza-Lieferdienstes, gingen Barbara und Lisa früh zu Bett. Natürlich plapperten sie noch aufgeregt, wie toll der Urlaub werden würde, aber sie schliefen recht bald.

„Wach auf Barb, wir haben verschlafen.“ Barbara wurde unsanft von Lisa an der Schulter gerüttelt. „Schnell, wir haben verschlafen, steh auf. Wir müssen schauen, wie wir zum Kreuzfahrtschiff kommen. Jetzt wach endlich auf.“
Barbara schlug die Augen auf. Benommen sah sie ihre Freundin an. „Was?“
„Wir haben verpennt. Steh auf jetzt. Es ist schon fast acht Uhr. Um neun Uhr wird das Kreuzfahrtschiff ablegen, egal ob wir an Bord sind oder nicht.“
Barbara war schlagartig wach. „Was? Oh nein, das schaffen wir nie.“ Panisch sprang sie aus dem Bett und sah sich gehetzt um. „Schnell Lisa, zieh dich an. Wir müssen schauen, dass wir irgendwie an die Ostsee kommen.“
Lisa schüttelte den Kopf. „Beruhig dich Barb.“
Aber diese dachte ja nicht im Traum daran. „Beruhigen? Weißt du, wie lange ich auf diese Kreuzfahrt sparen musste? Ich will mich nicht beruhigen. Ich will diesen Urlaub mit dir genießen.“
Lisa lachte. „Beruhig dich, ich habe dich nur verarscht. Schau beim Fenster raus. Es ist noch stockdunkel. Dachte mir, dann bist du schneller auf den Beinen.“ Lisa sah geknickt aus. Dieser Plan war, wie immer, nicht gut durchdacht.
Barbara brauchte eine Weile, bis Lisas Worte bis zu ihr durchgedrungen waren. „Was? Ein Scherz? Du wolltest mich verarschen?“ Barbara schnaufte laut und seufzte dann. „Das ist dir in der Tat gelungen.“ Erleichtert, weil sie pünktlich zum Bus kommen würden, lachte Barbara auf. „Mach das ja nie wieder. Beim nächsten Mal bekomme ich sicher einen Herzinfarkt.“
Lisa kicherte erleichtert mit. „Ja, entschuldige bitte. Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht.“

Gemeinsam frühstückten die Freundinnen und machten sich auf den Weg zum Busbahnhof. Die Reisegruppe, mit der sie unterwegs sein würden, wartete schon. Alle schienen müde, aber aufgeregt zu sein. Während Lisa sofort offen auf die fremden Menschen zuging, hielt Barbara sich etwas zurück. Es fiel ihr nicht so leicht wie Lisa, auf Fremde zuzugehen. Damit tat sie sich sehr schwer.
Barbara beobachtete den Busfahrer, wie er die Koffer in das dafür vorgesehene Fach räumte. Überrascht kniff sie die Augen zusammen. „Ein Rasenmäher?“ Im Kofferfach befand sich ein großer Rasenmäher. Verwirrt schüttelte sie den Kopf und ging zu Lisa hinüber, die sich gerade angeregt mit einer älteren Dame unterhielt.
„Lisa, schau mal, wir reisen mit Rasenmäher.“ Barbara kicherte, doch Lisa sah sie dümmlich an.
„Natürlich reisen wir mit Rasenmäher. Was dachtest du denn?“ Dann widmete Lisa sich wieder der älteren Dame.
Barbara stand bedröppelt neben Lisa. Wie jetzt? Natürlich? Mit Rasenmäher? Das machte doch gar keinen Sinn.

Als endlich alle anwesend waren, und alle Koffer verstaut waren, konnte die Fahrt losgehen.
Lisa und Barbara saßen ganz hinten und unterhielten sich angeregt.
„Ich bin so aufgeregt.“ Barbara zappelte auf ihrem Sitz herum.
„Ja, ich auch. Das wird sooooo toll …“
Eine Durchsage unterbrach Lisas Geplapper.
„Meine lieben Damen und Herren …“
„Ich bin gespannt, jetzt geht die Präsentation los“, wisperte Lisa ihrer Freundin zu, die verwirrt die Stirn runzelte.
„Was für eine Präsentation?“, fragte Barbara in die Durchsage hinein.
„Pscht, ich kann ja gar nichts verstehen“, zischte Lisa. Wie gebannt starrte sie auf den älteren Herren, der im Gang des Busses stand, mit seinem Mikrofon herumfuchtelte und mit den älteren Damen, die vorne im Bus saßen, flirtete.
„Ist das eine Kaffeefahrt?“, knurrte Barbara ihre Freundin gereizt an. „Eine Kaffeefahrt? Bist du nicht mehr ganz bei Trost?“
„Sei doch mal ruhig Barbara. Das ist voll interessant.“
Barbara sah ihre Freundin eine Weile dümmlich von der Seite an, dann wetterte sie richtig los. Es war ihr egal, ob alle anderen gebannt lauschten. Sie hatte viel Geld für diesen Urlaub ausgegeben, und jetzt sollte das alles nur eine Kaffeefahrt werden?
„Lisa, sag mal spinnst du? Das sollte ein Urlaub werden, und keine Verkaufsshow. Ich habe da keine Lust darauf. Außerdem war der Urlaub unglaublich teuer. Warum ist das denn nun eine Kaffeefahrt? Was für einen Scheiß hast du uns da gebucht?“
Barbara hatte so laut gekeift, dass es im ganzen Bus mucksmäuschenstill war. Doch der Redner hatte sich schon wieder gefangen.
„Aaaahhh, junge Dame, auf jeder Busfahrt gibt es einen Skeptiker.“ Der Mann kam auf sie zu, während er immer wieder nach links und rechts flirtete und zwinkerte.
„Ich bin Bob, wie ist ihr Name?“
Barbara dachte echt, sie wäre im falschen Film. Doch aus purer Höflichkeit antwortete sie natürlich.
„Ich bin Barbara.“ Sie fühlte sich sichtlich unwohl, als Bob ihr die Hand reichte. „Und ich wollte nicht auf eine Kaffeefahrt,“ fügte sie trotzig hinzu.
Bob zog sie mühelos auf die Beine und ehe Barbara es sich versah, hatte er sie schon nach vorne gezogen. Sie stand jetzt praktisch im Rampenlicht.
„Hier haben wir unsere Skeptikerin des Tages. Können wir sie wohl überzeugen?“ Bob sah sich im Bus um, und sofort toste ihm ein begeisterter Applaus entgegen. Die Reisenden johlten und pfiffen und wedelten mit den Händen.
Barbara starrte die Verrückten um sich herum an. Ihr Blick blieb an Lisa hängen. Diese hatte Kaffeefahrten immer belächelt, aber nun stand sie vor ihrem Platz und klatschte begeistert in die Hände, während sie laut johlte und schrie.
„Was zur Hölle …“ Barbaras Blick schwenkte zu Bob, der schon wieder zu reden begann.
„Na dann wollen wir der guten Barbara einmal zeigen, wie toll unsere Rasenmäher sind. Toni, fahr doch bitte einmal rechts heran. Hier ist eine schöne Wiese. Hier können wir es toll demonstrieren.“
Der Bus schwenkte an den Straßenrand und blieb stehen. Während Barbara immer noch dümmlich aus dem Fenster starrte, nahm Bob sie schon wieder bei der Hand und zerrte sie aus dem Bus.
Toni, der Busfahrer, holte mühevoll und schnaufend den Rasenmäher aus dem Kofferfach. Zu Barbaras Entsetzen zerrte Toni an der Schnur, die das Monster zum Leben erweckte. Dann mähte Toni tatsächlich ein Stück Rasen aus einem Fremden Grundstück weg. Mit offenem Mund drehte Barbara sich zum Bus herum und sah durch die Fenster eine begeisterte Meute. Sie verstand die Welt nicht mehr. Das konnte nicht mit rechten Dingen zu gehen. Besonders Lisa, sie wäre die letzte gewesen, die sich für so etwas erwärmen könnte. Nun stand sie johlend hinter einem der Busfenster und winkte Bob wie verrückt zu.
„Gehirnwäsche … genau, es muss sich um Gehirnwäsche handeln“, murmelte Barbara und sah sich verunsichert und ängstlich um.
Bob sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er schien verstanden zu haben, was sie gesagt hatte, und sein strahlendes TV-Werbung-Verkaufs-Lächeln hatte einen Knacks bekommen.
„Toni, räum doch bitte den Rasenmäher wieder in den Bus. Unsere skeptische Barbara kann sich wohl nicht dafür erwärmen. Glücklicherweise haben wir ja noch die Kunstausstellung mit den wundervollen Gemälden und Statuen, und die Gartenschau mit dem neuen schnellwachsenden Apfelbaum.“ Er wand sich an Barbara. „Sie mögen doch Kunst, oder?“
Lisa mischte sich ein. „Natürlich liebt sie Kunst. Dort werden wir sicher fündig Bob.“ Sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln, und zerrte Barbara zurück zu ihren Plätzen.
„Mensch Barb, du bringst mich in Verlegenheit Barb. Hörst du? Barb? Barb? Barb? Hörst du mich? Barb?“

Barbara riss die Augen auf, und sah sich erschrocken um.
„Barb? Hörst du mich? Es ist alles okay.“ Lisa kniete neben ihr und sah sie besorgt an.
Was war passiert? War sie ohnmächtig geworden? Wäre ja kein Wunder gewesen.
„Barb? Kannst du bitte antworten? Hörst du mich?“
Endlich kam Leben in Barbara. Schwungvoll setzte sie sich auf.
„Sag mal, spinnst du? Wie kannst du mir sowas nur antun? Eine Kaffeefahrt? Sag mal, geht’s noch? Wurdest du einer Gehirnwäsche unterzogen?“
Lisa zog die Augenbrauen hoch und sah Barbara dümmlich an.
„Was?“
„Dieser ganze Verkaufsmist hier! Rasenmäher! Kunstausstellung! Gartenschau! Sag mal, bist du verrückt geworden? Dafür habe ich nun wirklich nicht so viel Geld ausgegeben. Wie kannst du mir das nur antun? Und dieser Bob, mal ehrlich, mit dem stimmt doch etwas nicht. Hat er dich einer Gehirnwäsche unterzogen?“
„Bob?“, quiekte Lisa dazwischen.
„Ja, Bob, der irre Verkäufer mit dem Zahnpasta-Lächeln.“ Barbara drehte sich um, um auf Bob zu deuten. Aber Bob war nicht mehr da. Verwirrt sah sie sich um.
„Was …?“
„Du hast schlecht geträumt Barbara, hast gestrampelt, geschimpft und um dich geschlagen.“
Barbara sah sich wieder um. Natürlich, das war ihr Zimmer. Sie saß in ihrem Bett.
„Das war alles nur ein Alptraum?“
Lisa nickte. Der Schreck in ihrem Gesicht verschwand und ein neckisches Grinsen machte sich breit.
„Nachher, bei der Busfahrt, musst du mir unbedingt erzählen, was du geträumt hast. Das muss ja ein mörderischer Höllentrip gewesen sein.“ Lisa kicherte belustigt und stand auf, um Kaffee zu kochen.

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  1. Ach Lissi ,wie machst du das nur???Du hast echt so tolle Ideen…und man spürt wir gerne du aus nicht zusammen hängenden Wörtern was zauberst ..toll geschrieben 😃

        1. Danke liebe Wiebke,

          lustig, dass du das gar nicht raus liest. Wenn ich mir das nochmal durchlese, springt mich der Widerwillen, mit dem ich das geschrieben habe, regelrecht an. Obwohl ich mich ganz spontan von meiner Eingebung hab leiten lassen.
          Komisch 😂
          Naja, Hauptsache es gefällt 🤭

          Liebe Grüße
          Lisbeth

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