Fantasie-Reise | Kurzgeschichten

Romantikurlaub und andere Schwierigkeiten

25. Juli 2019
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Stichworte: Parfum, Tivoli, Gästekarte, Werkbank und Senf
Vielen Dank lieber Volker, für Deine Stichworte. Du willst mich wirklich herausfordern 😉

„Hast du alles eingepackt?“ Abgehetzt sprang Viktor durch die Wohnung, zerrte Reisetasche und Koffer herum, wedelte genervt mit den Reisepässen und suchte verzweifelt nach seiner Kreditkarte.
Clara hingegen saß gelassen am Frühstückstisch, genoss ihren Kaffee und ihr Croissant und ließ sich von Viktors Hektik nicht beeinflussen.
Liebevoll sah sie ihren Verlobten an. Er gab sich so viel Mühe, damit alles perfekt ablief. Und derweilen wurde sein Kaffee kalt, und sein Brötchen hart.
„Immer mit der Ruhe Schatz. Setz dich doch erst einmal zu mir und iss etwas. Wir haben eine lange Autofahrt vor uns.“ Lächelnd tätschelte Clara die Sitzfläche des Stuhls neben ihr, um ihn zum Hinsetzen einzuladen.
Viktor sah erst auf die Koffer, dann auf den Stuhl, dann wieder auf die Koffer.
„Aber Liebling, es ist doch schon so spät. Wir müssen noch das Auto einladen, und dann kommt die lange Fahrt.“
Clara lachte auf. „Die Koffer warten sicher mit dem Einladen, bis du in Ruhe gefrühstückt hast. Wir sind doch gar nicht zeitlich gebunden. Ob wir nun eine Stunde später im Hotel ankommen oder nicht, das ist doch nicht so wichtig. Wir haben Urlaub. Entspann dich Schatz.“ Wieder tätschelte sie die Sitzfläche seines Stuhls.
Viktor gab nach. Clara hatte den Frühstückstisch, wie immer, liebevoll gedeckt und sein Frühstück wartete schon auf ihn. Die frischen Croissants und Brötchen dufteten herrlich verführerisch, und einen Schluck Kaffee konnte er wirklich gut brauchen.
„Du hast Recht Liebling. Wir haben Urlaub. Kein Stress und keine Hektik mehr.“ Viktor setzte sich an seinen Platz und küsste Clara liebevoll.
„Lass dir dein Frühstück schmecken Schatz.“ Clara griff nach ihrem Croissant, das sie dünn mit Butter bestrichen hatte und biss genussvoll hinein.
Dieser Urlaub war bitter nötig.

Später am Morgen beluden Viktor und Clara ihren SsangYong Tivoli mit ihrem Gepäck und einem Picknickkorb. Die Fahrt nach Italien an den Gardasee würde lang dauern und sie wollten auf jeden Fall einen Zwischenstopp zum Essen einlegen.
„Hast du dich eigentlich noch schlau gemacht, wo wir die Urlaubstaxe bezahlen müssen?“ Viktor sah Clara erschrocken an, aber diese winkte lächelnd ab.
„Natürlich habe ich mich darum gekümmert Schatz, das war doch so ausgemacht. Ich habe im Hotel die Auskunft bekommen, dass dort bereits eine Gästekarte für uns hinterlegt ist. Damit ist nicht nur die Taxe erledigt, sondern auch das Entgelt für Busfahrten, Fährenfahrten und vieles weitere. Mach dir keine Gedanken Viktor. Wir haben an alles gedacht.“
Erleichtert und ausgelassen machten die beiden sich auf den Weg.

Es war schon weit nach Mittag, als Clara endlich eine passend schöne Stelle für ein gemütliches Picknick gefunden hatte.
Liebevoll breitete sie eine klassisch karierte Picknickdecke am Rand einer wunderschönen Blumenwiese aus. Viktor streckte sich stöhnend und kam ihr dann mit dem Picknickkorb hinterher.
„Schön ist das hier“, seufzte Clara, die schon auf der Decke saß und über die Wiese schaute. „Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt eine so schöne Wiese mit so vielen bunten Blumen und Schmetterlingen gesehen habe.“ Genüsslich schloss Clara die Augen und wand ihr Gesicht der Sonne zu.
„Ja“, stimmte Viktor ihr zu, „es ist wunderschön hier. Bei uns in der Stadt findest du so ein traumhaftes Plätzchen leider nicht.“ Schwungvoll ließ er sich neben Clara auf der Decke nieder. „Aber jetzt habe ich mächtig Hunger. Was hast du uns schönes eingepackt?“
Lächelnd öffnete Clara den Picknickkorb und förderte ein paar Leckereien ans Tageslicht.
„Wann hast du Hähnchenkeulen gemacht?“, fragte Viktor verwundert, während ihm das Wasser im Mund zusammenlief.
„Gestern Abend noch Schatz. Die habe ich extra für unser Picknick in den Ofen geschoben. Hier ist Kartoffelsalat und in der anderen Schüssel ist Nudelsalat. Zur Nachspeise habe ich Joghurt mit Früchten eingepackt, und natürlich jede Menge Obst.“
Viktor schielte neugierig in den Picknickkorb. „Habe ich da Kuchen gesehen?“
Clara lachte auf. „Du siehst auch alles. Ja, Kuchen und Kaffee habe ich auch eingepackt. Wir brauchen sicher noch eine kleine Snackpause und da lassen wir uns den schmecken.“ Dann fügte sie noch neckisch hinzu: „Und Schokolade habe ich auch eingepackt, als Nervennahrung, falls wir in einen Stau geraten.“ Zwinkernd reichte sie ihm einen Teller und eine Gabel.
„Liebling, du bist die Beste. Du denkst einfach an alles.“
Gemeinsam ließen die beiden sich das leckere Mittagessen schmecken. Danach vertraten sie sich noch ein wenig die Beine, und dann ging die Fahrt schon weiter.
Diesmal war Viktor mit Fahren dran.

„Schatz, sind wir hier noch richtig?“, fragte Clara skeptisch und sah sich um. Es dämmerte schon.
Viktor nickte, konnte seine Nervosität aber nicht ganz verbergen.
„Ähm, ja Liebling, das Navi hat uns hier hergeschickt. Ich denke schon, dass wir noch richtig sind.“ Angestrengt sah Viktor sich um.
„Ich meine ja nur, weil das Navi gerade den GPS-Empfang verloren hat.“ Clara sah ihn besorgt an.
„Was?“, Viktors Blick schwang zum Navi und er verdrehte genervt die Augen. „Na großartig. Auch das noch. Wir fahren einfach mal weiter auf dieser Straße. Das Navi wird sicher schon bald wieder Daten empfangen.“
Clara nickte, und lehnte sich wieder in ihrem Sitz zurück. „In Ordnung, wir können ohnehin nirgends anders hinfahren. Hier gibt es weit und breit nur diese eine Straße.“
Die beiden fuhren eine Weile dahin, aber das GPS-Signal kam nicht wieder zurück.
„Was nun?“, fragte Viktor verunsichert und blieb am Straßenrand stehen. „Wollen wir umdrehen und in der letzten Ortschaft nachfragen?“
Clara sah auf ihre Armbanduhr: „Ich weiß nicht. Die letzte Ortschaft haben wir vor zwei Stunden passiert. Es wird bald dunkel.“
Während Clara grübelnd aus dem Fenster sah, entdeckte sie in der Ferne die Silhouette zweier Häuser.
„Schau mal Schatz, dort hinten stehen Häuser. Wir könnten dort nachfragen.“
„Aber dort brennt kein Licht“, erwiderte Viktor, der die Häuser nun auch entdeckt hatte.
„Das heißt aber noch lange nicht, dass niemand zuhause ist. Wir schauen einfach mal. Wir müssen nicht weit von der Durchfahrtsstraße weg. Wir verlieren höchstens fünf Minuten.“
Viktor nickte zustimmend, startete den Motor und fuhr weiter. Nach ein paar Metern bog ein Feldweg nach rechts in die Richtung der Häuser ab. Glücklicherweise schaffte der Tivoli solche Wege mit Links. Viktor fuhr dennoch langsam und vorsichtig.
Der Feldweg mündete in einen riesengroßen Hof. Jetzt erkannte das junge Paar auch, dass es sich bei den beiden Gebäuden um einen Bauernhof und eine Scheune handelte.
Viktor gab wieder etwas Gas, um den Hof zu umrunden und sich einen Platz zum Stehenbleiben zu suchen. Leider hatte er nicht damit gerechnet, dass der Matsch auf dem Hof so rutschig war, dass der Tivoli ins Schlingern kam. Er verlor die Kontrolle. Clara schrie erschrocken auf. Entsetzt riss Viktor das Lenkrad herum, und bevor die Bremse greifen konnte, die er fest durchdrückte, rauschten die beiden auch schon durch eine riesengroße hölzerne Flügeltüre in die Scheune. Glücklicherweise hatten sie nichts gerammt, denn das Scheunentor stand vorher schon offen und der Tivoli kam nur Millimeter vor einer Werkbank zum Stehen.
Claras Hand hatte sich in seinen Oberschenkel gekrallt. Beide saßen da, starrten durch die Windschutzscheibe auf allerlei gruselige Bauernutensilien und atmeten stoßweise.
Viktor hatte sich als erster wieder gefangen. „Liebling, geht es dir gut? Bist du verletzt?“
Clara holte tief Luft und sah ihren Verlobten, immer noch erschrocken, an. „Ich denke … es ist alles okay. Ich bin okay. Alles gut.“ Sie nickte zitternd. „Und du? Ist bei dir auch alles okay?“
„Ich denke schon Liebling. Meine Güte, haben wir ein Glück gehabt. Siehst du die ganzen Sensen hier an der Scheunenwand? Gut dass wir da nicht auch noch durchgerauscht sind.“
„Wir hatten aber keinen Unfall oder? Wir sind nirgends dagegen gefahren oder so?“ Clara sah Viktor fragend an.
„Nein, ich glaube wir haben weder etwas gerammt, noch gestreift. Ich denke, wir können bedenkenlos weiterfahren. Ich steig mal aus und schau mich um.“
Linkisch klettere Viktor aus dem Wagen, lief einmal um das Auto herum und sah sich in der Scheune um.
„Nichts passiert Liebling. Wir haben keinen Schaden angerichtet. Ich werde dennoch zum Haus hinübergehen und Bescheid geben, dass wir in die Scheune gerauscht sind. Der Besitzer soll sich selbst davon überzeugen, dass nichts passiert ist.“
„Ich komme mit!“, rief Clara schnell, der nicht ganz wohl zumute war. Irgendwie fand sie die Scheune gruselig.
„Viktor kam um das Auto herum und wollte Clara heraushelfen. Aber sie war schneller, obwohl sie immer noch zitterte wie Espenlaub.“
Liebevoll nahm Viktor sie an der Hand und ging mit ihr zum Bauernhaus hinüber. Inzwischen war es schon fast ganz dunkel. Nirgends brannte ein Licht.

Auch nach mehrmaligem Klingeln öffnete niemand die Tür.
„Es ist keiner da“, murmelte Viktor und versuchte durch ein Fenster etwas zu sehen. „Es sieht noch nicht einmal bewohnt aus.“
Clara drückte die Klinke hinunter, und die Tür öffnete sich. „Schau mal, es ist nicht abgeschlossen.“
„Wir können nicht einfach hinein gehen“, hielt Viktor sie zurück.
„Aber was sollen wir sonst tun? Wir wissen nicht wo wir sind.“
„Liebling, wir fahren am besten zurück in die letzte Stadt und suchen uns dort eine Übernachtungsmöglichkeit.“
Clara trat wieder einen Schritt zurück, schloss die Tür und nickte. „Schatz, du hast Recht. Lass uns zurückfahren. Hier werden wir keine Hilfe bekommen.“

Gemeinsam stiegen sie in ihr Auto ein. Viktor setzte sich wieder hinter das Steuer. Clara sah noch arg mitgenommen aus. Er wollte ihr die Fahrt nicht mehr zumuten. Er wollte das Auto starten, aber es sprang nicht mehr an.
„Was zum …“, fluchte er los und versuchte es immer wieder. Mehr als ein Stottern war allerdings nicht zu vernehmen.
„Was ist los?“ Clara warf einen Blick auf die Tankanzeige. „Oh nein“, wir haben vergessen zu tanken Schatz. Das wollten wir doch noch machen, in der letzten Stadt. Erinnerst du dich? Dann habe ich dich in die Eisdiele gebettelt, und dann haben wir es einfach vergessen.“ Clara schlug sich die Hände vors Gesicht und seufzte auf. „Das darf doch nicht wahr sein.“
Viktor lehnte sich seufzend in seinem Sitz zurück und schloss die Augen. „Wie konnte ich das nur vergessen? Ich Idiot! Und wir sind hier irgendwo im Nirgendwo. Wie sollen wir jetzt an Benzin kommen? Die letzte Stadt liegt viel zu weit zurück. Zu Fuß brauchen wir dafür ewig. Und wer weiß wann die nächste Stadt kommt.“
„Na klar“, rief Clara begeistert auf. „Wir haben die Handys dabei. Wir könnten den Abschleppdienst anrufen. Oder jemanden, der mit einem Kanister Benzin vorbeikommt.“
Viktor schüttelte den Kopf. „Mit dem Navisignal ist auch der Handyempfang weg gewesen. Wir sind hier in einem Funkloch.“
„Ja aber das war doch nicht weit weg. Ich meine, die Stelle an der das Navisignal sich verabschiedet hat. Wir laufen zurück und telefonieren.“
„Liebling, inzwischen ist es stockdunkel. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Jetzt auch noch über Stock und Stein zu stolpern wäre nicht sehr klug. Wir warten bis morgen früh. Vielleicht kommen ja auch die Hausbesitzer wieder zurück.“
Clara gab nach, denn Viktor hatte Recht. Es war viel zu gefährlich im Stockdunkeln durch die Gegend zu tapsen. Sie würden vermutlich nicht einmal die Straße finden.
„Und nun?“, fragte sie unschlüssig.
„Wir gehen ins Haus. Dort haben wir Licht. Und dann schlafen wir dort und morgen machen wir uns auf den Weg.“
Seufzend folgte Clara Viktor, der entschlossen auf das Bauernhaus zulief. Sein Handydisplay spendete ihm spärlich Licht.

„Ich finde keinen Lichtschalter“, murmelte Clara, die sich an der Wand entlang tastete.
Viktor seufzte, während sein Handydisplay einen Tisch beleuchtete.
„Ich befürchte, hier sind auch keine Lichtschalter. Schau mal, hier steht eine alte Laterne am Tisch und daneben liegen Streichhölzer.“
„Was?“, quiekte Clara entsetzt.
„Ich denke, das ist ein ganz altes Bauernhaus. Vermutlich gibt es keinen Strom.“ Viktor riss ein Streichholz an, und kurze Zeit später erhellte ein sanftes Licht die Stube in der sie sich befanden, so weit, dass sie sich umsehen konnten.
Die beiden befanden sich in einer Küche, deren Mittelpunkt der große Esstisch war, an dem Viktor gerade stand. Clara stand neben einem alten Holz- oder Kohleherd. Die Küche war blitzsauber, aber sehr spärlich eingerichtet.
„Wo sind wir hier nur hingeraten?“, fragte Clara leise und sah Viktor hilfesuchend an. „Ich meine, es ist absolut sauber hier, also ist es sicher bewohnt. Aber wer lebt denn heutzutage noch so?“
Viktor zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, ich würde es nicht wollen. Aber für eine Nacht, ist es mehr als gut genug für uns.“
Clara nickte zustimmend. „Dann lass uns einmal nach einer Schlafmöglichkeit Ausschau halten.“
Mit der Laterne bewaffnet durchsuchte das junge Paar das alte Bauernhaus. Es gab tatsächlich drei Schlafräume, die sich in einem absolut ordentlichen und sauberen Zustand befanden. In einem stand ein Doppelbett, und in den anderen beiden befanden sich mehrere Stockbetten.
„Das Haus gehörte wohl einmal einer sehr großen Familie“, mutmaßte Viktor.
Clara kicherte: „Das waren einmal vier und einmal sechs Stockbetten. Du denkst doch nicht wirklich, dass das arme Paar das hier wohnte, zwanzig Kinder hatte?“ Sie gluckste vor sich hin, während beide wieder zurück zum Schlafzimmer mit dem Doppelbett gingen.
„Ich gehe die Koffer holen Liebling. Vielleicht magst du dich einmal nach Wasser umsehen? Vielleicht gibt es ja doch fließendes Wasser hier drin.“ Viktor stellte die Laterne auf den Nachttisch neben der Tür. Auf der altmodischen Kommode gegenüber des Bettes, fand er eine weitere Laterne. Schnell entzündete er sie und machte sich auf den Weg zum Auto.

Seufzend stellte Viktor die Koffer neben dem großen Bett ab. Clara kam zurück ins Schlafzimmer.
„Tut mir Leid Viktor, aber ich habe nirgends so etwas wie ein Badezimmer oder überhaupt einen Wasserhahn gefunden. Hier stehen aber in fast jedem Zimmer diese Porzellanschüsseln mit den Krügen herum. Aber wo bekommen wir nur Wasser her?“
Viktor seufzte. „Das habe ich befürchtet, als ich draußen am Hof die alte Wasserpumpe entdeckt habe. Ich vermute, wir müssen das Wasser abpumpen. Ich werde mich gleich auf die Suche nach einem Eimer machen.“
„Kann man das Wasser denn trinken? Ist das nicht riskant?“ Clara sah Viktor entsetzt an. Sie verzog leicht angewidert den Mund.
„Das ist sicher Grundwasser. Zwar ungefiltert, aber hier in Österreich ist das Wasser sehr sauber, und hat eine viel bessere Qualität als in den meisten Städten Deutschlands. Mach dir keine Sorgen. Außerdem haben wir im Auto noch ein paar Flaschen Wasser für die Fahrt. Die hole ich auch noch. Dann trinken wir das, und waschen uns mit dem Wasser aus der Pumpe.“
Clara nickte, und öffnete ihre Koffer, während Viktor in der Küche nach einem Eimer suchte.

„Das Wasser ist klar und sauber und schmeckt köstlich“, rief Viktor fröhlich, als er mit einem Eimer voller Wasser das Schlafzimmer betrat. Vorsichtig goss er es in den Porzellankrug.
Clara sah auf, als Viktor das Zimmer betrat. Seine Laune schien schon wieder bestens zu sein, was sie ein wenig ansteckte.
Er hatte die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt, bemerkte Clara mit Wohlwollen. Er sah toll aus, so im Kerzenlicht, mit freigelegtem Bizeps, und Clara betrachtete ihn, während er sich um alles kümmerte. Sie wusste nicht, was sie in dieser Situation ohne ihn gemacht hätte.
„Liebling, du kannst dich jetzt frisch machen. Du bist sicher erschöpft von der langen Reise und bist froh, wenn du im Bett liegst.“
Clara lächelte ihn verliebt an. „Du bist wundervoll Liebling.“ Dann stand sie vom Bett auf, schlang beide Arme um seinen Nacken und küsste Viktor leidenschaftlich.
Als sie sich endlich wieder voneinander gelöst hatten, grinste Viktor seine Clara spitzbübisch an.
„Ich gehe mich auch frisch machen. Ich freue mich nämlich auch schon aufs Bett.“ Frech zwinkerte er ihr zu, während er sich seines Hemdes entledigte und begann, sich zu waschen.
Clara kicherte wie ein Schulmädchen.
Dann schlüpften beide in ihre Schlafwäsche und machten es sich im Bett gemütlich.

Clara kuschelte sich an Viktor. Dieser nahm sie sofort in seine Arme und zog sie fest an sich. Tief atmete er ein.
„Mmmmmhhhmmmm, du schnupperst aber gut.“
„Ja, das ist das Parfum, das du mir zum Geburtstag geschenkt hast. Es ist wundervoll.“
„Ja, das ist es“, antwortete Viktor mit rauer Stimme.

Clara wachte auf, weil sie Stimmen und Gemurmel hörte. Doch als sie die Augen öffnete, erschrak sie sich zu Tode.
„Oh mein Gott, Viktor wach auf.“ Wild rüttelte die an Viktors Schulter, während sie die Bettdecke an ihre Brust presste. „Viktor!“
Der junge, verschlafenen Mann öffnete langsam die Augen.
„Was ist Liebling, hast du immer noch nicht genug?“
Gelächter schallte durch den Raum. Viktor war sofort hellwach und fuhr im Bett hoch. Rundherum standen ein paar Menschen und begutachteten die beiden.
Clara rückte immer näher zu Viktor, während sie ihre Decke bis zur Nasenspitze hochzog.
„Ich … ich kann das erklären“, beeilte Viktor sich, die Situation zu erklären. „Uns ist das Benzin ausgegangen, und es war schon zu dunkel, und hier gibt es keinen Handyempfang, und …“
„Was geht hier vor sich?“, donnerte eine laute, tiefe Stimme durch das Zimmer, und sofort wurde einem alten Mann Platz gemacht, der ans Bett trat.
Clara verschwand ganz unter der Bettdecke, und Viktor bemühte sich darum, die Situation aufzuklären. Das war jedoch nicht leicht, da nun jeder etwas zur Geschichte beitragen wollte.
„Wir haben die beiden so gefunden.“
„Die haben hier geschlafen.“
„Ich glaube sie sind nackt.“
Und irgendjemand flüsterte: „Und die Frau scheint nicht genug zu bekommen, ich weiß nur nicht wovon.“
Wieder brachen ein paar Leute in Gelächter aus. Doch der alte Mann schnitt allen das Wort ab.
„Alle hinunter in die Küche, jetzt! Und ihr zwei“, damit deutete er auf Viktor, und die versteckte Clara, „ihr zieht euch an und kommt auch hinunter.“
Viktor konnte nur noch stumm nicken, während er zusah, wie der alte Mann die mindestens zwanzig Menschen, aus allen Altersklassen, aus dem Schlafzimmer scheuchte.
„Schnell, komm Liebling, zieh dich an!“, rief Viktor eilig, als sie endlich wieder alleine waren. Dann zog er die Decke weg und half Clara aus dem Bett.
Eilig sprangen die beiden in ihre Kleidung. Während Clara das Bett ordentlich machte, packte Viktor Claras Koffer und seine Reisetasche zusammen.
„Das ist so peinlich“, murmelte Clara, während sie die Bettdecke glattstrich. „Ich würde am liebsten aus dem Fenster klettern und türmen.“
Viktor lachte. „Ach was, wir können es doch erklären. Wir werden auch für die Übernachtung bezahlen. Mach dir keinen Kopf Liebling. Lass uns nach unten gehen.“
Clara nickte, hielt sich allerdings verschämt hinter Viktor.

„Guten Morgen“, donnerte es ihnen in der Küche auch schon wieder entgegen. „Wenn sie mir bitte erklären wollen, was sie hier in meinem Haus zu suchen haben?“
„Ja, das kann ich natürlich“, begann Viktor sofort, „Wir hatten uns verfahren, und wollten hier nach dem Weg fragen. Auf dem Hof sind wir mit dem Wagen ins Schleudern gekommen. Unser Auto steht in der Scheune. Aber wir haben nichts beschädigt. Leider haben wir auch noch vergessen zu tanken, weswegen der Wagen nicht mehr anspringt. Und Handyempfang gibt es hier auch nicht. Und weil es schon stockdunkel war … nun ja, sind wir hier geblieben. Wir wollten bei Tageslicht loslaufen um Hilfe, oder zumindest Handyempfang zu finden. Wir bezahlen natürlich für die Übernachtung.“
Viktor hatte alles schnell vor sich hin gestammelt. Verunsichert sah er den alten grimmig dreinblickenden Mann an. Doch dieser begann zu lachen. Er schien nicht böse zu sein.
„Ich habe gerade eine Führung durch den Bauernhof gemacht, als ich durchs Fenster die Reifenspuren auf dem Hof gesehen hab. Die sind mir vorher gar nicht aufgefallen. Dann habe ich den Wagen durch das offene Scheunentor gesehen. Ich dachte schon, Einbrecher oder Hausbesetzer haben sich hier niedergelassen.“ Sein lautes Lachen vibrierte dumpf in Claras Ohren und sie spitzelte über Viktors Schulter.
Der alte Mann sprach weiter: „Sparen sie sich das Geld für die Übernachtung. Die Besucher haben sich gefreut und haben daheim was zu erzählen. Und ich hab bei zukünftigen Führungen auch eine lustige Geschichte zu erzählen.“ Der Alte lachte wieder. „Außerdem habe ich einen vollen Benzinkanister im Wagen. Wenn sie wollen, dann können sie den Sprit haben.“
Viktor wollte sich gerade bedanken, als ein kleiner Junge den Kopf durch die Tür steckte und rief: „Wovon kann die Frau denn nun nicht genug bekommen?“
Sofort wurde er von seiner Mutter wieder aus dem Haus gezerrt. „Du musst nicht immer überall deinen Senf dazugeben Jan. Lass die Erwachsenen reden.“

Kurze Zeit später hatten Viktor und Clara genug Benzin im Tank um die nächste Stadt leicht zu erreichen.
Von diesem Urlaub würden sie sicher auch noch ihren Urenkeln erzählen.

~ Ende ~

Alles Liebe
Deine Lisbeth
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  1. Hallo lissy, vielen lieben Dank für die wunderschöne Geschichte. Freue mich das du die Herausforderung angenommen hast. Frau wächst mit den Herausforderungen über sich hinaus. Weiter so.
    Liebe Grüße Volker

    1. Lieber Volker,

      vielen Dank für dein Kompliment. Ich freue mich sehr, dass Die/Euch die Geschichte gefällt. Sie war mir eine Herzensangelegenheit 😊

      Liebste Grüße, Lisbeth

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