Fantasie-Reise | Gedichte

Ich sehe Dich!

27. November 2019
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Du stehst mitten in der Kassenschlange
Es geht nicht weiter, dauert so lange
Das ewige stehen bereitet Dir Schmerzen
Viel Kummer liegt auf Deinem Herzen
Dein magerer Einkauf wiegt für Dich schwer
Am Ende des Monats ist die Geldbörse leer
Dennoch verzagst Du nie und nimmer
Grüßt Deine Mitmenschen, lächelst immer

Ich sehe Dich
Und fühle mich
So hilflos und voller Schmerz
Es bricht mir das Herz

Auch Du stehst in der Kassenschlange
Auch Dir dauert das Warten zu lange
Unfreundlich pöbelst Du die Kassiererin an
Drängelst Dich mit ausgefahrenen Ellbogen voran
Schreist der alten Frau ins Ohr
Sie hat Angst und lässt Dich vor
Ruppig schubst Du ein kleines Kind zur Seite
Bekommst Ärger und suchst grantig das Weite

Ich sehe Dich
Und ärger mich
Über Deine Art und Weise
Du bist so laut, doch das Wichtige ist so leise

Du stehst an der Ampel, direkt vor mir
Jeden Tag bist Du um die gleiche Zeit hier
Du eilst nun in den Kindergarten
Weil dort Deine Kinder warten
Alleinerziehend, verlierst oft Deinen Mut
Dabei machst Du Deine Aufgabe echt gut
Um durchzukommen machst du einen zweiten Job
Bekommst dafür nie ein Lob

Ich sehe Dich
Und frage mich
Wie Du das meisterst
Und täglich Deine Kinder begeisterst

Bei mir im Haus, bist Du der Mann
Dem man einfach nicht trauen kann
Du säufst und schreist im Flur umher
Die Menschen hier fürchten Dich sehr
Manchmal liegst Du im Treppenhaus
Hast Dich übergeben, so ein Graus
Die Polizei und der Notarzt gehen fast täglich
Hier aus und ein, ist das nicht kläglich

Ich sehe Dich
Und frage mich
Wie konnte es so weit kommen
So viel Deines Lebens hast Du Dir selbst weggenommen

Du bist ein kleines Kind, mager, hast blaue Flecken
Am Wochenmarkt wolltest Du etwas einstecken
Einen Apfel hast du gestohlen
Der Händler wollte dir den Hinter versohlen
Er hat Dir Angst gemacht
Dabei hast Du nur an Deinen Hunger gedacht
Zuhause ist der Kühlschrank leer
Deine Eltern schleppen nur Bier daher

Ich sehe dich
Dann weine ich
Wie kannst Du so nur überleben
Keiner will Dir Liebe geben

Die Frau, die nun am Wochenmarkt steht
Und keinen Meter weiter geht
Sie weint und weint und weint
Weil sich das alles nicht mit ihrem Weltbild vereint
Der Kummer bricht ihr das Herz
Unerträglich ist dieser Schmerz
Die Frau bin ich
Ich weine immer noch bitterlich

Ich sehe mich
Und frage Dich
Wie kannst Du darüber hinwegsehen
Und einfach weiter gehen

Ich sehe Dich, ich sehe Euch alle
Doch ich habe das Gefühl, ich sitze in der Falle
Weil ich nicht weiß, wie ich helfen kann
Dann stehe ich nur da und schaue mir an
Wie die Moral zu Grunde geht
Weil keiner die alte Frau versteht,
oder die Mutter, oder das Kind
Weil zu Viele viel zu ignorant sind

Ich sehe, höre und fühle Dich
Und endlich bewege ich mich
Ich gehe auf Dich zu, oder stelle mich hinter Dich
Ich helfe Dir, verlass Dich auf mich

Alles Liebe
Deine Lisbeth
aus Deiner Lieblings-Lese-Ecke

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© Lisbeth A. Kießling – www.lieblingsleseecke.com

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